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Geschichte der Vereinigten Staaten : Industrialisierung und Übergang ins 20. Jahrhundert
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Nach dem Bürgerkrieg suchte Präsident Andrew Johnson (1865-1869), ein Demokrat, mit seiner Politik der Reconstruction die Aussöhnung mit den Südstaaten und den Wiederaufbau des zerstörten Südens voranzutreiben. Seine Pläne wurden jedoch vom Kongress konterkariert: Im Kongress dominierten radikale Republikaner, die den Südstaaten Militärregierungen überstülpten und das alte Plantagensystem wirtschaftlich und sozial zerschlugen. Dies führte in den Südstaaten zu einer großen Verbitterung gegenüber dem Norden und gegenüber der Sklavenemanzipation, die sich unter dem republikanischen Präsidenten Ulysses S. Grant (1869-1877) noch vertiefte und u. a. in der Entwicklung eines gewaltbereiten Rassismus ihren Ausdruck fand (siehe Ku Klux Klan). 1877 wurde die Reconstruction offiziell beendet, die Unionstruppen wurden aus dem Süden abgezogen. Die Gleichstellung der in die Freiheit entlassenen afroamerikanischen Sklaven, wie sie formalrechtlich bestand, existierte im Süden jedoch bestenfalls auf dem Papier: Die im Süden wieder dominierenden Demokraten setzten eine Reihe diskriminierender Gesetze durch, die die Schwarzen in vielen Belangen entrechteten.

Nach dem Bürgerkrieg erlebte vor allem im Nordosten und im Mittleren Westen die Industrie eine explosionsartige Entwicklung. Wesentlicher Motor der Industrialisierung war der Eisenbahnbau, der nun mit Nachdruck vorangetrieben wurde und der sich auf zahlreiche Industriezweige fördernd auswirkte. Insbesondere in der Öl- und der Schwerindustrie entstand eine Reihe monopolistisch ausgerichteter, mächtiger Großunternehmen, organisiert als Trusts oder Holdinggesellschaften, die weitgehende Kontrolle über ganze Wirtschaftszweige sowie den Kapitalmarkt ausübten. An den Südstaaten allerdings ging der Industrialisierungsboom mehr oder weniger vorbei. Generell bestand eine enge Verquickung zwischen Wirtschaft und Politik, die vielfach von Korruption geprägt war und zu Lasten der „Kleinen” – Farmer, Pächter, Arbeiter – ging.

Zugleich schritt die Besiedelung des Westens voran, und gegen Ende des 19. Jahrhunderts war die Erschließung der USA bis zum Pazifik als Siedlungsgebiet abgeschlossen. Die Erschließung und Besiedelung des Westens war geprägt von ständigen Kämpfen gegen die Indianer, die ihr angestammtes Land gegen die weiße Inbesitznahme zu verteidigen suchten. Trotz einiger Siege der Indianer wie etwa in der Schlacht am Little Bighorn 1876 behielten die weißen Siedler und Soldaten die Oberhand. Mit dem Massaker an 400 Sioux bei Wounded Knee 1890 endeten die Indianerkriege. Die Indianer waren geschlagen, erheblich dezimiert, unter unwürdigen Bedingungen in Reservaten zusammengedrängt und blieben vorerst weitgehend rechtlos; erst 1924 wurden ihnen die vollen Bürgerrechte zuerkannt.

Der Drang nach Westen ist auf mehrere Faktoren zurückzuführen: Schon 1848 zog der Goldrausch Zehntausende Abenteurer und Siedler nach Kalifornien; ab den sechziger Jahren schritt mit dem Bau der ersten transkontinentalen Eisenbahnlinie die Erschließung des Westens und seine Anbindung an den Osten rasch voran; zudem boten die Homestead Laws beträchtliche Anreize für Siedler. Und schließlich erlebten die USA in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein enormes Bevölkerungswachstum, das vor allem durch die gewaltigen Einwandererströme aus Europa verursacht wurde. Allein in den Jahren 1865 bis 1900 kamen etwa 15 Millionen Einwanderer in die USA; ein Teil davon suchte sich als Siedler im Westen eine neue Existenzgrundlage.

Ein großer Teil der Einwanderer fand in der boomenden Industrie Arbeit. Allerdings führten die unreglementierte Industrialisierung und die Konzentration der Industrie in Großunternehmen und Trusts auf der einen, der ständige Zustrom von Arbeitskräften, die zunehmende Urbanisierung sowie das Entstehen eines breiten Industrieproletariats auf der anderen Seite bald schon zu erheblichen sozialen Problemen. Gegen die zunehmend miserablen Bedingungen der Arbeiterschaft formierten sich bereits in den sechziger Jahren erste gewerkschaftliche Organisationen; allerdings schritt der Prozess der gewerkschaftlichen Organisierung vor allem aufgrund der ethnischen Vielfalt der Arbeiterschaft nur langsam voran. 1866 schlossen sich mehrere Gewerkschaften zur National Labor Union zusammen, die allerdings

Besiedlung des Westens
Besiedlung des Westens
1872 wegen interner Auseinandersetzungen wieder aufgelöst wurde. 1869 wurden – zunächst als Geheimbund – die Knights of Labour gegründet, die den Arbeitern aller Wirtschaftszweige offenstanden und gegenüber den Arbeitgebern einen aggressiven bis militanten Kurs verfolgten. In den siebziger und achtziger Jahren spielten die Knights of Labour ein wichtige Rolle bei den zahlreichen, zum Teil blutigen Demonstrationen und Streiks der Bergarbeiter und Eisenbahner, so etwa in Chicago 1886 bei den Haymarket-Unruhen und 1894 beim Pullman-Streik. 1886 wurden die Knights of Labour als führende Gewerkschaftsorganisation von der American Federation of Labour (AFL) abgelöst.
Frühe Industriebetriebe

Trotz der eindeutig unternehmerfreundlichen Politik der Regierung und obwohl zahlreiche Streiks von Bundestruppen blutig niedergeschlagen wurden, gelang es den Gewerkschaften doch, einige Verbesserungen wie etwa höhere Löhne und kürzere Arbeitszeiten durchzusetzen. Die wirtschaftlich ins Hintertreffen geratenen Farmer, Farmarbeiter und Pächter begannen sich ab den späten sechziger Jahren ebenfalls zu organisieren, z. B. im Granger Movement.

Die zyklisch auftretenden Wirtschaftskrisen (1873-1878, 1882-1885 und 1893-1897) brachten jeweils einen starken Anstieg der Arbeitslosigkeit mit sich und verschärften sowohl die sozialen Probleme wie den Arbeitskampf, führten aber auch zu einer Ausgrenzung verschiedener sowohl von Unternehmern wie weißer Arbeiterschaft nicht

Frühe Industriebetriebe
erwünschter Gruppen: Die Einwanderung von Nichteuropäern, insbesondere Chinesen, wurde erheblich beschränkt, die Afroamerikaner wurden zunehmend diskriminiert. So wurde z. B. die Rassentrennung in öffentlichen Einrichtungen, Verkehrsmitteln, Schulen etc. durchgesetzt und den Schwarzen der Zugang zum politischen Leben praktisch unmöglich gemacht. Dies sowie drastische Veränderungen im „klassischen” Wirtschaftszweig der Afroamerikaner, der Baumwollindustrie, infolge zunehmender Mechanisierung drängten die schwarze Bevölkerung mehr und mehr ins soziale Abseits. In Reaktion auf ihre Diskriminierung organisierten sich die Afroamerikaner in verschiedenen Bürgerrechtsbewegungen, die allerdings bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts im Kampf um die Gleichberechtigung nur wenige Erfolge erringen konnten. "Vereinigte Staaten von Amerika," Microsoft® Encarta® Online-Enzyklopädie 2009
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