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Geschichte von Rumänien : Einfluss der Sowjetunion
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Noch 1948 wurde die Umgestaltung von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft nach sowjetischem Vorbild eingeleitet. Der prosowjetische Kurs war mit der Verfolgung und Ausschaltung von Dissidenten und Oppositionellen verbunden, weshalb Rumänien mehrmals der systematischen Verletzung der im Friedensvertrag garantierten Menschenrechte beschuldigt wurde; im November 1950 bestätigte die UN-Generalversammlung diesen Vorwurf.

1952 und 1965 traten neue, dem sowjetischen System folgende Verfassungen in Kraft. Während der Nachkriegszeit blieb die rumänische Führung stabil. Gheorghe Gheorghiu-Dej, seit 1945 Generalsekretär der Rumänischen Arbeiterpartei, wurde 1952 Ministerpräsident. Er übergab das Amt 1955 an Chivu Stoica. Petru Groza war von 1952 bis zu seinem Tod 1958 Staatspräsident. Sein Nachfolger wurde Ion Gheorghe Maurer, der wiederum 1961 in das Am des Ministerpräsidenten wechselte und von Gheorghiu-Dej im Präsidentenamt abgelöst wurde.

Nach dem Tod von Gheorghiu-Dej 1965 übernahm Stoica das Amt des Präsidenten, und Nicolae Ceauşescu wurde Erster Sekretär des Zentralkomitees der Partei. Ceauşescu, Maurer und Stoica bildeten eine machtvolle Troika, in der sich Ceauşescu als die dominante Figur durchsetzte. Er wurde 1967 Vorsitzender des Staatsrates.

In den fünfziger Jahren schritten Verstaatlichung und Ausbau der Industrie rasch voran. Laut offiziellen Zahlen lag in den sechziger Jahren die jährliche Wachstumsrate der Industrie bei etwa 12 Prozent und war damit eine der höchsten Wachstumsraten in den osteuropäischen Ländern. Die 1949 begonnene Kollektivierung der Landwirtschaft war 1962 abgeschlossen. Damit war die gesamte landwirtschaftliche Nutzfläche in Staatseigentum übergegangen; den Bauern wurden jeweils etwa 2 000 Quadratmeter Land für den Eigenbedarf zugestanden.

Mit seinem Beitritt zum Kominform (siehe Internationale) 1947, dem Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW) 1949 und dem Warschauer Pakt 1955 integrierte sich Rumänien in den sowjetischen Machtbereich.

Seit den sechziger Jahren verfolgte Rumänien jedoch einen relativ unabhängigen Kurs. 1963 lehnte die Regierung die Pläne des RGW bezüglich einer weitreichenden Integration der Wirtschaft der kommunistischen Staaten ab. Denn nach diesen Plänen hätte sich Rumäniens Rolle auf die Versorgung der kommunistischen Bruderstaaten mit Erdöl, Getreide und Grundstoffen beschränkt, was sich negativ auf die industrielle Wachstumsrate ausgewirkt hätte.
Unabhängige Außenpolitik

In den sechziger Jahren waren die Sowjetunion und die Ostblockstaaten die Haupthandelspartner von Rumänien, doch die Handelsbeziehungen zu nichtkommunistischen Staaten verbesserten sich stetig. Der Handel mit der Sowjetunion, der in den späten fünfziger Jahren noch mehr als 50 Prozent des rumänischen Außenhandels ausmachte, ging Schätzungen zufolge auf 30 Prozent im Jahr 1967 zurück.

Auch außenpolitisch strebte Rumänien größtmögliche Unabhängigkeit von der Sowjetunion an. So plädierte Ceauşescu etwa für den Abzug der sowjetischen Truppen aus der DDR, aus Polen und aus Ungarn. Außerdem machte er angesichts der sowjetischen Pläne, den Warschauer Pakt auszubauen, den Vorschlag, Warschauer Pakt und NATO aufzulösen; die Beteiligung an Manövern des Warschauer Paktes lehnte er ab. 1967

Nicolae Ceau?escu

Nicolae Ceauşescu

boykottierte Rumänien eine von der Sowjetunion einberufene Konferenz der kommunistischen Staaten, die vor allem der Kritik an der amerikanischen Rolle im Vietnamkrieg Ausdruck verleihen sollte. Als Truppen des Warschauer Paktes im August 1968 in die Tschechoslowakei einmarschierten, kritisierte Ceauşescu dies scharf und unterstützte sogar die Reformbewegung des Prager Frühlings.
Rumänien setzte auch in den siebziger und achtziger Jahren seine auf „Öffnung nach allen Seiten” gerichtete Außenpolitik trotz der Missbilligung der Sowjetunion fort. Die Beziehungen zum Westen wurden verbessert. Nach dem Besuch des amerikanischen Präsidenten Richard Nixon 1969 besuchte Ceauşescu einige Male die USA. 1972 trat Rumänien dem Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank bei. 1976 folgte das erste formale Abkommen (über Textilien) zwischen der EG und einem osteuropäischen Staat. Als Staatschef des einzigen Ostblocklandes, das sowohl Israel als auch Ägypten anerkannte, beteiligte sich Ceauşescu 1977 am Zustandekommen des historischen Freundschaftsbesuchs des ägyptischen Präsidenten Anwar as-Sadat in Israel. Auch zu China baute Ceauşescu trotz des chinesisch-sowjetischen Konflikts gute Beziehungen auf und schloss einige Wirtschaftsabkommen mit China. Den Einmarsch der Sowjetunion in Afghanistan 1980 lehnte er ab. "Rumänien," Microsoft® Encarta
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