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Geschichte Irlands : Beginn der englischen Herrschaft
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Als Heinrich VII. aus dem Hause Tudor 1485 den Thron bestieg, blieb Gerald Fitzgerald, der 8. Graf von Kildare, Vizekönig von Irland, obwohl er das Haus York unterstützt hatte. Er wurde erst 1494 durch Lord Edward Poynings ersetzt, der englische Interessen gegen anglonormannische durchsetzte und das Statut von Kilkenny bestätigte. Alle staatlichen Ämter, einschließlich der Richterämter, wurden vom englischen König besetzt, und nach dem so genannten Poynings’ Law mussten alle Gesetzesvorlagen erst vom englischen König genehmigt werden. Dieses Gesetz bestimmte die Beziehungen zwischen den beiden Ländern bis zur Union von 1800.

1534 ließ der englische König Heinrich VIII. den Grafen von Kildare gefangen nehmen und versuchte 1537, nach der Niederschlagung eines Aufstands, die Reformation in Irland einzuführen. Die Klöster wurden aufgelöst, der Grundbesitz wurde an königstreue Barone und neue Siedler aus England und Schottland vergeben. Die Bevölkerung blieb allerdings katholisch, selbst die Angloiren. 1541 ließ sich Heinrich zum König von Irland erklären.

Unter der Herrschaft der katholischen Maria I. Tudor ging die Kolonisierung durch englische Siedler weiter. Unter Elisabeth I. wurde zunächst die Aussöhnungspolitik ihres Vaters Heinrich VIII. gegenüber den irischen Fürsten wieder aufgenommen. Doch eines der größten Probleme war die konfessionelle Spaltung: Elisabeth war wieder zum Protestantismus konvertiert, und zwischen 1559 und 1563 verabschiedete das Londoner Parlament Gesetze, die zur doktrinären Grundlage der anglikanischen Kirche(Church of England) wurden. Mit dem Elisabethanischen Kompromiss wurde die Church of England 1559 wieder zur Staatskirche und Elisabeth Oberhaupt der von Rom unabhängigen anglikanischen Kirche. Im Interesse einer innenpolitischen Konsolidierung suchte Elisabeth zunächst den Ausgleich mit den Katholiken; die Spannungen zwischen anglikanischer und katholischer Kirche verschärften sich erst nach der Flucht Maria Stuarts nach England 1568 und der Exkommunizierung Elisabeths durch den Papst 1570.

Verschiedene Aufstände erschütterten zunächst die englische Vorherrschaft auf der Insel: der Aufstand des Fürsten Shane O’Neill in Ulster und der Aufstand in der Provinz Munster (1569-1583), der nur mit Truppen vom europäischen Festland niedergeschlagen werden konnte. James Fitzgerald, 16. Earl of Desmond, aus dem Haus Geraldine, das über den Großteil Munsters herrschte, war besiegt worden, doch Hugh O’Neill, der 3. Baron von Dungannon und 2. Earl of Tyrone, schlug die englische Armee in der Schlacht von Blackwater sowie Robert Devereux, 2. Earl of Essex, den Elisabeth entsandt hatte, um O’Neill zu unterwerfen, vernichtend. Als ein weiterer Aufstand in Ulster (1593-1603) trotz spanischer Hilfe gescheitert war, musste sich O’Neill den Engländern ergeben.

Um den irischen Widerstand zu brechen, zerstörten die Engländer zahlreiche Dörfer und vernichteten die Ernte, schlachteten das Vieh ab und ermordeten viele Menschen. Der Großteil Munsters und Ulsters wurde verwüstet: mehr Menschen starben am Hungertod als durch Kriegshandlungen. Der Earl of Tyrone und Rory O’Donnell, 1. Earl of Tyrconnel, flüchtete mit etwa 100 weiteren Clanfürsten 1607 nach Rom (Flight of the Earls). Die Ländereien in Nord-Ulster wurden beschlagnahmt und mit rund 100 000 presbyterianischen Schotten (Ulster Plantation) besiedelt. Dadurch wurde Ulster zum Zentrum des irischen Widerstands und zur englandtreuesten Region der Insel. Die katholischen Bauern waren nun als Pächter von den neuen protestantischen Grundherren abhängig.

Während der Englischen Revolution (1640-1660) versuchten die Iren unter der Führung von Rory O’More 1641 Dublin zu erobern und die Engländer zu vertreiben. Den Aufständischen kamen die katholischen Lords von Pale zu Hilfe. Ein oberster Rat sollte Irland regieren. Karl I. entsandte Edward Somerset, Earl of Glamorgan, um mit den Aufständischen zu verhandeln. Damit die Iren Karl I. innenpolitisch unterstützten, bot er ihnen freie Religionsausübung an. 1647 endete das Bündnis der Lords von Pale, die lediglich die Tolerierung ihrer Religion anstrebten, und den Iren, die auf eine Wiederherstellung der

Englisch-protestantische Ansiedelung in Irland
Englisch-protestantische Ansiedelung in Irland. Encarta
alten Aufteilung des Landes hofften. 1648 kehrte James Butler, 12. Earl of Ormonde, als Vizekönig Karl I. zurück und verbündete sich mit den katholischen Lords.
1649 landete Oliver Cromwell mit 10 000 Soldaten der New Model Army bei Dublin, um Vergeltung für den Aufstand von 1641 zu üben. Sie erstürmten Drogheda, brachten die 2 000 Männer der Garnison um und eroberten Wexford. Cromwells Nachfolger Henry Ireton und Edmund Ludlow führten den Krieg fort. Munster, Leinster und Ulster wurden konfisziert und das Land unter den Soldaten der Armee des Parlaments aufgeteilt, die katholischen und königstreuen Landbesitzer wurden nach Connaught im Westen der Insel verbannt. Ein Teil des beschlagnahmten Landes wurde unter Karl II. wieder zurückgegeben, doch zwei Drittel des irischen Landes blieben in protestantischer Hand. Unter dem katholischen König Jakob II. und seinem Vizekönig Richard Talbot, Earl of Tyrconnel, konnten Katholiken in Staatsämter aufsteigen und die Bürgerwehr befehligen. Folglich stand die katholische Bevölkerung bei der so genannten Glorious Revolution 1688 auf der Seite Jakobs II., und Talbot stellte Jakob, als dieser 1689 mit französischen Offizieren in Dublin landete, eine irische Armee zur Verfügung. Die protestantischen Siedler wurden vertrieben und flüchteten nach Enniskillen bzw. Londonderry. Das Parlament gab 1689 alle Ländereien, die seit 1641 beschlagnahmt worden waren, zurück. Jakobs Versuch, nach seiner Absetzung an der Spitze einer irisch-jakobinischen Armee seinen Thron wiederzuerlangen, führte am 1. Juli 1690 zur Schlacht am Boyne, in der er von Wilhelm III. von Oranien besiegt wurde. (In Nordirland führen heute noch Mitglieder des protestantisches Oranierordens alljährlich zur Erinnerung an diesen Sieg über den katholischen König einen Marsch am Jahrestag der Schlacht durch.)

Im Vertrag von Limerick (1691) wurde den Katholiken zunächst ein gewisses Maß an Religionsfreiheit gewährt und die Ländereien, die sie unter Karl II. besaßen, zurückgegeben. Doch später zwang das englische Parlament Wilhelm dazu, das Zugeständnis des Vertrags von Limerick hinsichtlich der Rückgabe des Landes zu brechen. Danach erließ das protestantische irische Parlament eine Reihe von Strafgesetzen gegen die irischen Katholiken, die ihnen verboten, die Messe zu besuchen, Recht zu sprechen, öffentliche Ämter zu bekleiden, Schulen zu gründen, zu unterrichten, Waffen zu tragen und Land zu kaufen oder zu erben. Der irische Handel wurde von den Engländern behindert, und durch Gesetze aus den Jahren 1665 und 1680 wurde der Export irischer Rinder sowie von Milch, Butter und Käse nach England untersagt. Ebenso wurde der Wollhandel durch ein Gesetz von 1699, das die Ausfuhr von Wollwaren in sämtliche Länder bis auf England verbot, blockiert. All diese Maßnahmen hatten verheerende wirtschaftliche Folgen, damit war die Grundlage für eine wirtschaftliche Betätigung der katholischen Iren zerstört. Um 1700 gehörten ungefähr 90 Prozent des Grundbesitzes Engländern oder Angloiren. Die protestantische Vorherrschaft in Irland konnte Rebellionen fast ein Jahrhundert unterdrücken. Viele katholische Iren wanderten nach Spanien, Frankreich und Amerika aus.

Der Nordamerikanische Unabhängigkeitskrieg weckte in Ulster viel Sympathie, insbesondere bei den Presbyterianern, da sie ebenso wie die Katholiken von öffentlichen Ämtern ausgeschlossen waren, wünschten sie sich eine allgemeine Emanzipation, die die Katholiken mit einschloss. 1778 erließ das irische Parlament den Relief Act, der einige der stärksten Einschränkungen wieder aufhob. Auf Antrag von Charles James Fox widerrief das britische Parlament das Poynings’ Law sowie viele der Gesetze, die die Katholiken benachteiligten. Das irische Parlament setzte sich allerdings nur aus Protestanten zusammen, die den Katholiken das Wahlrecht nicht zugestehen wollten. 1795 bekamen durch Premierminister William Pitts (dem Jüngeren) Catholic Relief Act die Katholiken gleiches aktives Wahlrecht und das passive Wahlrecht für fast alle Ämter. Die Forderungen der Französischen Revolution wurden in Irland von der Society of United Irishmen übernommen, die 1798 einen Aufstand unter Wolf Tone organisierte. In Wexford rebellierten die Bauern und stellten sich dem Kampf, obwohl sie nur unzureichend bewaffnet waren. 1799 wurde der Aufstand niedergeschlagen (etwa 30 000 Menschen kamen dabei ums Leben) und das irische Parlament aufgehoben. Pitt rief mit der Unionsakte (Act of Union) am 1. Januar 1801 die Union zwischen Großbritannien und Irland aus. Das irische Parlament wurde aufgehoben, und im gemeinsamen Parlament in Westminster waren zwangsweise 100 protestantische Abgeordnete aus Irland vertreten. Pitt musste jedoch zurücktreten, als Georg III. sich weigerte, den Katholiken volle Gleichstellung zu gewähren. "Irland," Microsoft® Encarta® Online-Enzyklopädie 2009
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