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Geschichte von Südafrika : Die Südafrikanische Union : Apartheid
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Am 31. Mai 1910 vereinigten sich die britischen Kolonien in Südafrika unter einer gemeinsamen Verfassung zur Südafrikanischen Union (Union of South Africa) mit dem Status eines Dominion innerhalb des Britischen Empire. Der fortdauernde britisch-burische Gegensatz schlug sich in der Formierung zweier rivalisierender politischer Parteien nieder: der probritischen South African Party (SAP) und der burischen National Party (NP). Die SAP stellte die ersten Regierungen unter den Premierministern Louis Botha (1910-1919) und Jan Christiaan Smuts (1919-1924). Die folgenden knapp zehn Jahre regierte die NP mit James Hertzog als Premierminister. 1934 fusionierten die SAP und die NP angesichts ihrer gemeinsamen „weißen” Interessen und vor dem Hintergrund der Weltwirtschaftskrise, die sich im Gold fördernden Südafrika extrem bemerkbar machte, zur United Party (UP). Zugleich spaltete sich ein burisch dominierter, extrem rechtsgerichteter Flügel unter dem Namen Gereinigte Nationale Partei (NP) von der neuen Partei ab; ihr Begründer und Führer war Daniel François Malan. Premierminister blieb auch nach 1934 Hertzog, bis er 1939 von Smuts im Amt abgelöst wurde.

Außenpolitisch behauptete die junge Südafrikanische Union einen selbständigen Status, allerdings in enger Anlehnung an Großbritannien. 1914 trat die Union auf der Seite Großbritanniens in den 1. Weltkrieg ein und eroberte 1915 die deutsche Kolonie Deutsch-Südwestafrika (das heutige Namibia). 1920 wurde der Union vom Völkerbund, dem sie als eigenständiges Gründungsmitglied angehörte, Deutsch-Südwestafrika als Mandatsgebiet der Klasse C übertragen. 1931 erhielt die Südafrikanische Union durch das Westminster-Statut die Unabhängigkeit im Rahmen des Commonwealth of Nations.

Bei Ausbruch des 2. Weltkrieges plädierte Premierminister Hertzog für einen neutralen Kurs, konnte sich jedoch nicht gegen die probritischen Kräfte um Jan Smuts durchsetzen und musste schließlich zu dessen Gunsten zurücktreten. Unter Jan Smuts trat Südafrika auf Seiten der Alliierten in den 2. Weltkrieg ein, war jedoch kaum in Kampfhandlungen involviert.

Bereits 1894 hatte Mohandas Gandhi in der damaligen britischen Kronkolonie Natal den Natal Indian Congress als Forum für den Kampf der zahlreichen indischen Einwanderer gegen die diskriminierenden Rassegesetze gegründet, und nach dem Burenkrieg weitete er seine Aktivitäten auch auf Transvaal aus. 1914 machte die südafrikanische Regierung der indischen Bevölkerung tatsächlich einige Zugeständnisse, schaffte u. a. die Kopfsteuer ab; trotzdem blieben die Inder in Südafrika weiterhin Bürger zweiter Klasse.

Die Regierung der Südafrikanischen Union ließ von Beginn an keinen Zweifel daran, dass sie ihre politische, wirtschaftliche und soziale Herrschaft über die schwarze Bevölkerungsmehrheit und die anderen nicht weißen Bevölkerungsteile beizubehalten, die nicht weiße Bevölkerung in wirtschaftlicher Abhängigkeit, sozialer Unterordnung und strikter Absonderung von den Weißen, in einem weitgehend rechtlosen Status also, zu halten gedachte.

1911 verabschiedete sie z. B. den Mines and Works Act, der die besseren Arbeitsplätze im Bergbau den Weißen reservierte, und 1913 den Native Land Act, der den Schwarzen – immerhin etwa drei Viertel der Bevölkerung – lediglich 13 Prozent des Landes zugestand. Und in Reaktion auf die so genannte Randrevolte, den Aufstand weißer Arbeiter gegen die Beschäftigung Schwarzer, leitete sie 1924 die civilized labour policy ein, mit der sie die weiße Arbeiterschaft gegen schwarze Konkurrenz zu schützen suchte. Dazu gehörte u. a. der Urban Areas Act, der getrennte Wohngebiete für Weiße und Schwarze einführte und so den Zuzug Schwarzer in städtische Industriezentren unterband. Der Protest der schwarzen Bevölkerungsmehrheit gegen die diskriminierende weiße Politik organisierte sich 1912 im Afrikanischen Nationalkongress (ANC). Der ANC vereinte mehrere, schon früher entstandene Protest- und Bürgerrechtsbewegungen der Schwarzen;

Jan Christiaan Smuts
Jan Christiaan Smuts
sein Ziel war die Gleichberechtigung der Schwarzen, seine Mittel waren lange Jahre friedlich – und erfolglos. Die schwarze Arbeiterschaft artikulierte ihren Protest in der Industrial and Commercial Workers Union; schon in den zwanziger Jahren wurde die Gewerkschaft allerdings wieder zerschlagen.
Die Systematisierung und Institutionalisierung der Apartheidpolitik als integraler Bestandteil der südafrikanischen Innenpolitik – mit erheblichen Auswirkungen auf die Außenpolitik – setzte 1948 ein, als die „gereinigte” NP mit Daniel François Malan an der Spitze die Regierung übernahm. Ziel der vor allem von den Buren und der NP getragenen Apartheidpolitik war die Sicherung der absoluten Vorherrschaft der Weißen; begründet wurde sie mit der Notwendigkeit des Erhalts der „weißen Identität” der herrschenden Klasse; Mittel war die „gesonderte Entwicklung”, die strikte wirtschaftliche, politische, räumliche und soziale Trennung der „Rassen” zugunsten der Weißen.
Nelson Mandela

Grundlage der Apartheidpolitik waren einige Gesetze aus dem Jahr 1950, allen voran der Population Registration Act und der Group Areas Act. Durch diese Gesetze wurde jeder Südafrikaner einer der vier „Rassen” Weiße, Schwarze, Coloreds und Asiaten zugeordnet und jeder dieser „Rassen” strikt voneinander getrennte Wohngebiete zugewiesen. Zudem wurden die Passgesetze verschärft, denen zufolge sich jeder Südafrikaner jederzeit per Identitätskarte über seine „Rassenzugehörigkeit” ausweisen können musste und die die Bewegungsfreiheit der nicht weißen Bevölkerung erheblich reduzierten. Weiterhin sahen die neuen Apartheidgesetze die Zwangsumsiedlung von Schwarzen und Coloreds aus den für die Weißen reservierten Wohngebieten vor.

Nelson Mandela
Und durch den Bantu Authorities Act von 1951 und den Bantu Self-Gouvernment Act von 1959 wurden schließlich die Homelands geschaffen, in denen ein Teil der schwarzen Bevölkerung, getrennt nach Ethnien, angesiedelt wurde. Insgesamt lebte etwa die Hälfte der südafrikanischen Schwarzen in den Homelands, die die 1913 den Schwarzen zugestandenen 13 Prozent des südafrikanischen Staatsgebiets ausmachten. Immerhin erhielten die Homelands ein gewisses Maß an Selbstverwaltung, und in den späten siebziger Jahren wurden einige der Homelands (Transkei, Bophutha Tswana, Venda, Ciskei) in die Unabhängigkeit entlassen, was international allerdings nicht anerkannt wurde. Diese so genannte „große Apartheid” wurde ergänzt durch die „kleine Apartheid”, eine Reihe von Gesetzen und Maßnahmen, die die Rassentrennung für praktisch alle Bereiche des sozialen Lebens vorschrieb: für öffentliche Einrichtungen und Verkehrsmittel, für Schulen und Universitäten und selbst für den ganz privaten Bereich: Eheschließungen und Geschlechtsverkehr zwischen Weißen und Schwarzen waren unter Strafe verboten. Verstöße gegen die Apartheidgesetze wurden äußerst strikt und mit Hilfe scharfer Polizeigesetze geahndet; so war es z. B. möglich, Personen ohne jeglichen Gerichtsentscheid für 80 Tage zu inhaftieren.

Der vor allem vom ANC organisierte Widerstand der Schwarzen gegen die Apartheidpolitik blieb bis in die fünfziger Jahre weitgehend gewaltfrei. Angesichts der zunehmend restriktiven Gesetzgebung der Regierung Malan gewannen dann jedoch gewaltbereite Kräfte innerhalb des ANC, etwa die Jugendliga des ANC unter Nelson Mandela, mehr und mehr an Einfluss. 1959 spaltete sich nach Auseinandersetzungen über die Art des Kampfes und die anzustrebende Gesellschaftsordnung der Pan-Africanist Congress (PAC) unter der Führung von Robert Mangaliso Sobukwe vom ANC ab.

Am 23. März 1960 organisierte der PAC an mehreren Orten friedliche Protestaktionen gegen die Passgesetze. Die Polizei ging gewaltsam gegen die Demonstranten vor, insbesondere in Sharpeville (Transvaal), wo sie auf eine unbewaffnete Menge schoss und dabei 69 Schwarze, darunter auch Kinder, tötete. Dieses Massaker von Sharpeville, ein blutiger Höhepunkt in der Auseinandersetzung um die Apartheidpolitik, zeitigte verschiedene Folgen: In Südafrika selbst wurden der ANC und der PAC verboten, der Notstand ausgerufen, zahlreiche Oppositionelle verhaftet; auf der anderen Seite verschärfte sich die Opposition gegen Apartheid und Regierung, ANC und PAC operierten aus dem Untergrund und aus dem Exil zunehmend militant. Auf internationaler Ebene verstärkte sich nach dem Massaker die Kritik an dem Apartheidregime, Südafrika wurde international mehr und mehr isoliert, und die afrikanischen und asiatischen Dominions forderten den

Mahatma Gandhi
Mahatma Gandhi
Ausschluss Südafrikas aus dem Commonwealth of Nations. Im Oktober 1960 votierte die Mehrheit der weißen Bevölkerung Südafrikas in einer Volksabstimmung für die Umwandlung des Dominions Südafrikanische Union in die Republik Südafrika; am 31. Mai 1961 wurde die Republik Südafrika ausgerufen und der Austritt aus dem Commonwealth vollzogen. Südafrikas," Microsoft® Encarta
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