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Geschichte Europas : Das Spätmittelalter
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Mit dem Ende der staufischen Herrschaft 1254 hatte das Kaisertum sowohl im Reich als auch im gesamten christlichen Abendland weitgehend seine Autorität verloren; erst König Sigismund konnte durch die Beendigung des Abendländischen Schismas 1417 kurzzeitig wieder eine nationenübergreifende Führungsrolle übernehmen. Das Papsttum selbst hatte ebenfalls an Autorität eingebüßt und war in völlige Abhängigkeit von Frankreich geraten (Avignonisches Exil, 1304-1376). Frankreich und England führten den Hundertjährigen Krieg (1337-1453) um die Vorherrschaft in Westeuropa, die vorerst noch keiner der beiden Staaten erringen konnte.

An der Peripherie vollzogen sich entscheidende Wandlungen: Die mongolische Goldene Horde brachte ganz Russland unter ihre Herrschaft; unter ihrer Oberhoheit entstand das Moskauer Großfürstentum, das schließlich die „Sammlung der russischen Erde”, die Einigung Russlands einleitete.

Die Schwächung des Byzantinischen Reiches durch die Kreuzzüge setzte zunächst in Südosteuropa lateinische wie orthodoxe Nachfolgestaaten frei, die die Osmanen ab 1359 Zug um Zug eroberten. Mit der Eroberung Konstantinopels 1453 durch die Osmanen endete das Byzantinische Reich. Im Osten Europas entstand 1386 in Polen durch seine Personalunion mit Litauen eine neue Großmacht; Polen war nun der größte Flächenstaat Europas. Im Nordosten, im Baltikum, brachte der Deutsche Orden sein Eroberungs- und Christianisierungswerk zum Abschluss. In Skandinavien entstand ebenfalls ein zwar dauerhaftes, aber wenig stabiles Großreich: Mit der Kalmarer Union von 1397 schlossen sich die skandinavischen Länder in Personalunion zusammen. Im Südwesten beendete Spanien 1492 mit der Eroberung Granadas die Reconquista und eröffnete mit der Entdeckung Amerikas die europäische Expansion nach Übersee.

In Frankreich und England begann u. a. infolge des Hundertjährigen Krieges die Ablösung des Feudalismus und die Herausbildung frühmoderner Flächenstaaten, während Deutschland in seiner Gesamtheit – im Gegensatz zu den meisten deutschen Einzelstaaten – bis zum Ende des alten Reiches 1806 der archaischen Form des Personenverbandsstaates verhaftet blieb. Wirtschaftlich und sozial ist das Spätmittelalter durch ein qualitatives und quantitatives Wachstum der Städte, das Erstarken des Bürgertums und durch das Aufkommen frühkapitalistischer Wirtschaftsformen geprägt.
Papstpalast in Avignon
Papstpalast in Avignon. Encarta
In Italien entwickelten sich Frühhumanismus und Renaissance, die von hier aus nach ganz Europa ausstrahlten. "Europa," Microsoft® Encarta® Online-Enzyklopädie 2009
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