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Geschichte von Russland : Russland unter Präsident Putin (2000-2008)
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Aus den vorgezogenen Präsidentschaftswahlen im März 2000 ging Putin schon im ersten Wahlgang mit 52,5 Prozent der Stimmen (bei einer Wahlbeteiligung von 68 Prozent) als klarer Sieger hervor – allerdings gab es verschiedentlich Berichte über Unregelmäßigkeiten und Wahlfälschungen. Im Mai 2000 wurde Putin als zweites Staatsoberhaupt der Russischen Föderation vereidigt.

Aufgrund des harten militärischen Vorgehens in Tschetschenien, den Ankündigungen, Russland international wieder Anerkennung als Großmacht zu verschaffen und im Innern die „Diktatur des Gesetzes” walten zu lassen, sowie dank seiner persönlichen Integrität wurde dem neuen Präsidenten zu Beginn seiner Amtszeit großes Vertrauen entgegengebracht, das auch durch das Fehlverhalten von Regierung und Militärführung nach dem Untergang des Atom-U-Bootes Kursk im August 2000 kaum beeinträchtigt wurde. Putins Kandidat für das Amt des Ministerpräsidenten, Michail Kasjanow, der das Amt bereits seit Januar 2000 kommissarisch führte, erhielt in der Staatsduma die größte Zustimmung, die bisher ein Kandidat erhalten hatte: 70 Prozent der Abgeordneten billigten im Mai 2000 seine Ernennung. Seinem Amtsvorgänger gewährte Putin Immunität vor eventueller Strafverfolgung, wechselte aber einen Großteil von Jelzins Gefolgsleuten im Präsidialapparat aus und ersetzte sie durch eigene loyale Mitarbeiter, die bald auch an die Spitze der wichtigsten Ministerien gelangten. Eine Allianz zwischen der Jedinstwo, die ihn unterstützte, und anderen so genannten zentristischen Parteien Mitte 2001 erweiterte außerdem die parlamentarische Basis seiner Regierung.

Die Vielzahl von Gesetzesinitiativen, die die Regierung Putin einbrachte, betrafen u. a. die Stärkung der Rechtssicherheit (neue Strafprozessordnung ab 2003), die Bekämpfung von Korruption und Wirtschaftskriminalität (u. a. Gesetz zur Eindämmung der Geldwäsche), die Verbesserung des Wirtschaftsklimas (Transparenz in der Finanzwirtschaft durch drei Bankengesetze), die Förderung der Investitionsbereitschaft (Beseitigung administrativer Hindernisse bei der Gründung von Privatbetrieben) und die Sicherung der Staatseinnahmen (Senkung der Lohnsteuer).

Gute Konjunkturdaten begünstigten die Reformvorhaben Putins: Das reale Wirtschaftswachstum nahm 2000 gegenüber dem Vorjahr um 8,3 Prozent zu. Die Außenwirtschaft profitierte von zeitweise hohen Weltmarktpreisen für Erdöl und Erdgas und von der Abwertung des Rubels. Die vergleichsweise guten Wirtschaftsdaten, die erstmals seit der Unabhängigkeit für 2002 einen Haushaltsüberschuss möglich erschienen ließ, führten 2001 zu Konzessionen bei der Bedienung internationaler Schulden.

Eines der wichtigen innenpolitischen Ziele Putins war die Stärkung der Zentralgewalt auf Kosten der föderalen Gebietseinheiten und eine Vereinheitlichung der Beziehungen zwischen den Regionen und dem Machtzentrum.

Ein erster Schritt war im August 2000 die Schaffung von sieben neuen, größtenteils mit den Militärbezirken identischen Großregionen, an deren Spitze je ein bevollmächtigter Vertreter des Präsidenten trat. Des Weiteren setzte Putin – allerdings gegen großen Widerstand und in weniger weitgehender Form als ursprünglich geplant – eine Neuordnung des Föderationsrates durch, die den Einfluss der Präsidenten und Gouverneure der Föderationssubjekte erheblich beschnitt.

Reformen wie Privatisierungen im Staatssektor, die Deregulierung des Energiebereichs – dort dominierte der Staatskonzern Gasprom – sowie Maßnahmen, die – allerdings sehr beschränkt – den privaten Erwerb von Grund und Boden ermöglichten, riefen vielfach politischen Widerstand hervor. Weit reichende Reformpläne betrafen auch den militärisch-industriellen Komplex: Einerseits sollte die Personalstärke der lange vernachlässigten Streitkräfte innerhalb von fünf Jahren um ein Fünftel, also um 600 000 Militärangehörige und Zivilbeschäftigte verringert werden; andererseits wurden die Militärausgaben kräftig erhöht. Autoritäre Tendenzen in der Innenpolitik wurden in den Versuchen des Staates sichtbar, regierungsunabhängige Medien wie den Nachrichtensender NTW des

Wladimir Putin
Wladimir Putin
Medienmoguls Wladimir Gussinskij auszuschalten und den Krieg in Tschetschenien weitgehend öffentlicher Kontrolle zu entziehen. Aus den Wahlen zur Staatsduma am 8. Dezember 2003 ging die putintreue Partei Einiges Russland (eine Fusion aus „Einheit” und „Vaterland – ganz Russland”) mit gut 37 Prozent der Stimmen klar als Siegerin hervor. Die bisher stärkste Partei, die Kommunisten, verloren gegenüber 1999 etwa die Hälfte ihrer Wähler, wurden aber mit 12,7 Prozent der Stimmen immer noch zweitstärkste Partei. Die Wahlen waren relativ regulär verlaufen, wenngleich von verschiedenen Seiten Zweifel am Auszählungsergebnis angemeldet wurden. Während des Wahlkampfes aber waren die regierungstreuen Kräfte von den Medien, insbesondere dem staatlichen Fernsehen, eindeutig bevorzugt worden. Bei der konstituierenden Sitzung des Parlaments Ende Dezember 2003 schrieben sich knapp über 300 Abgeordnete in die Fraktion von Einiges Russland ein, neben den direkt und über die Parteilisten gewählten Abgeordneten von Einiges Russland auch zahlreiche unabhängige Abgeordnete sowie Vertreter kleiner Parteien. Die kremltreue Fraktion verfügte damit über die Zweidrittelmehrheit, die ihr u. a. Verfassungsänderungen erlaubt. Jedoch wurde die Unverhältnismäßigkeit – 37 Prozent der Stimmen und über 66 Prozent der Duma-Mandate – sogar aus den eigenen Reihen kritisiert und sogar als nicht verfassungskonform verurteilt.
Im Februar 2004 entließ Putin – drei Wochen vor den Präsidentschaftswahlen – die gesamte Regierung, beauftragte sie aber mit Ausnahme von Ministerpräsident Kasjanow mit der Weiterführung der Amtsgeschäfte bis zur Bildung einer neuen Regierung. Als neuen Ministerpräsidenten bestätigte die Duma den von Putin vorgeschlagenen, bisher kaum in Erscheinung getretenen Michail Fradkow. Den Personalwechsel wollte Putin als richtungweisend für die Arbeit der Regierung nach den Präsidentschaftswahlen verstanden wissen. Wenige Tage vor den Wahlen ernannte Putin eine neue Regierung. Sie wurde im Rahmen der umfassenden Verwaltungsreform, an der Putin seit seinem Amtsantritt arbeitete, von 30 auf 17 Ministerien verkleinert; außerdem wurden zahlreiche Agenturen und untergeordnete Ämter aufgelöst. Dadurch sollten vor allem Überschneidungen vermieden und die Entscheidungswege deutlich verkürzt werden. Dem neuen Kabinett gehörten nur noch acht Minister aus der alten Regierung an, darunter die Leiter der Schlüsselministerien wie des Verteidigungs-, des Innen- und des Wirtschaftsministeriums; Frauen waren in der neuen Regierung nicht mehr vertreten. Eine der wichtigsten Neubesetzungen betraf das Außenministerium: Hier wurde Igor Iwanow durch Sergej Lawrow abgelöst.
Michail Kasjanow

Die Präsidentschaftswahlen im März 2004 gewann Putin erwartungsgemäß klar, und zwar mit über 71 Prozent der abgegebenen Stimmen. Die OSZE jedoch kritisierte die Wahlen und den Wahlkampf als den Anforderungen an eine gesunde Demokratie nicht entsprechend.

Als Reaktion auf die Geiselnahme in Beslan durch vermutlich tschetschenische Terroristen im September 2004 (siehe im folgenden Abschnitt) leitete Putin einen grundlegenden Umbau des Staatswesens ein, der Macht und Kontrolle in noch stärkerem Maß als bisher in den Händen des Präsidenten konzentrierte. So wurden die Gouverneure der Provinzen nun nicht mehr direkt von der Bevölkerung gewählt, sondern vom Präsidenten vorgeschlagen und von den regionalen Parlamenten bestätigt.
Michail Kasjanow
Für die Duma galt nur noch das Verhältniswahlrecht (bis dahin wurde die Hälfte der Abgeordneten per Mehrheitswahlrecht direkt in Wahlkreisen gewählt), d. h., kleine Parteien, unabhängige Kandidaten und Vertreter aus den Provinzen haben keine Chance mehr auf einen Sitz in der Duma. Zudem wurde die bisherige Fünfprozentklausel durch eine Siebenprozentklausel ersetzt und darüber hinaus die Zulassung von Parteien zu Parlamentswahlen deutlich restriktiver gestaltet. Des Weiteren wurde ein Ministerium für Regional- und Nationalitätenpolitik geschaffen – wie es seit Beginn der Sowjetunion bestand (sein erster Leiter war Stalin) und das erst 2001 abgeschafft worden war. Und schließlich wurde eine „Bürgerkammer” eingerichtet, in der gesellschaftliche Organisationen (mit Ausnahme von Parteien und Ähnlichem) und bekannte Personen des öffentlichen Lebens vertreten sind und die ursprünglich als Aufsichtsgremium über Sicherheitsdienste, Regierung und andere staatliche Organe gedacht war, am Ende aber nur noch beratende Funktion bekam. Darüber hinaus wurde ein Drittel der 126 Mitglieder vom Präsidenten ernannt. In Bezug auf den Kampf gegen den Terrorismus räumte Putin schwere Versäumnisse ein und brachte in der Folge ein umfassendes Antiterrorgesetz auf den Weg, das Maßnahmen von weitreichender Überwachung und Personenkontrolle bis zu Präventivaktionen gegen mutmaßliche Terroristen notfalls auch im Ausland zuließ. Daneben erfuhr die Meinungs- und Pressefreiheit immer weitere Einschränkungen: Neben dem staatlichen Rundfunk standen unterdessen auch nahezu alle anderen großen Rundfunksender sowie viele der landesweiten Zeitungen unter staatlicher Kontrolle, unabhängige Medien hatten ständig mit Restriktionen und Repressionen zu kämpfen, die Ermordung oppositioneller Journalisten – wie etwa von Anna Politkowskaja im Oktober 2006 – war schon beinahe an der Tagesordnung. Auch die oppositionellen politischen Parteien wurden durch immer neue Gesetze und verschiedene Aktionen in ihrer Arbeit behindert oder sogar ganz aufgelöst.
Im September 2007 entließ Putin Ministerpräsident Fradkow bzw. Fradkow reichte selbst seinen Rücktritt ein, um – so seine Begründung – Putin vor den Parlamentswahlen im Dezember 2007 und den Präsidentschaftswahlen im März 2008 freie Hand in Personalfragen zu geben. Neuer Ministerpräsident wurde der Finanzexperte und bisherige Leiter der Finanzaufsichtsbehörde Viktor Subkow. Die Duma-Wahlen am 2. Dezember 2007 waren das erwartet klare Plebiszit für Putin: Seine Partei Einiges Russland gewann mit 64,2 Prozent der Stimmen 315 der insgesamt 450 Mandate und damit die für Verfassungsänderungen notwendige Zweidrittelmehrheit. Zweitstärkste Kraft wurde mit 11,6 Prozent (57 Mandate) die Kommunistische Partei, die zugleich die einzige echte Oppositionspartei in der neuen Duma war. Außerdem zogen noch zwei weitere regierungsnahe Parteien in die Duma ein: die Liberaldemokratische Partei Russlands (LDPR, 40 Mandate) und Gerechtes Russland (38 Mandate). Die anderen sieben Parteien, die zur Wahl zugelassen worden waren, scheiterten an der zum ersten Mal angewandten Siebenprozentklausel. Die Wahlen selbst waren begleitet von Unregelmäßigkeiten und Manipulationen zugunsten der Präsidentenpartei, und auch im Vorfeld waren die demokratischen Grundregeln nicht eingehalten und die Oppositionsparteien etwa durch Verletzung der Medien- und Versammlungsfreiheit erheblich behindert worden. Auch die Präsidentschaftswahlen am 2. März 2008 entsprachen nicht in jeder Hinsicht den demokratischen Standards, und auch sie endeten wie erwartet: Mit etwa 70 Prozent der Stimmen wurde Putins Protegé und Wunschnachfolger Dmitrij Medwedjew zum neuen Präsidenten gewählt. "Russland," Microsoft® Encarta® Online-Enzyklopädie 2009
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