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Geschichte von Frankreich : Die „Republik der Opportunisten”
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Die nun regierenden gemäßigten Republikaner unter Staatspräsident Jules Grévy (1879-1887) verzichteten auf tief greifende, die Gesellschaftsordnung des Zweiten Kaiserreiches revidierende Reformen – Großbürgertum und Adel behielten weiterhin die Schlüsselpositionen in Wirtschaft und Armee – und handelten sich damit den Vorwurf des Opportunismus ein. Dennoch wurden in den achtziger Jahren im Interesse des inneren Ausgleichs einige wichtige Reformen eingeleitet, wie etwa die Liberalisierung des Pressegesetzes, die Zulassung von Gewerkschaften, vor allem auch die Laisierung der Bildung. Ebenfalls im Interesse des inneren Ausgleichs (bzw. der Ablenkung von den inneren Spannungen) wie auch im Interesse des nationalen Prestiges, das im Deutsch-Französischen Krieg enorm gelitten hatte, forcierte die republikanische Regierung den Ausbau des französischen Kolonialreiches in Nordafrika und Indochina. Damit konnte sich Frankreich zwar wieder als Großmacht etablieren, geriet mit seiner Kolonialpolitik aber zugleich in Konflikt mit Großbritannien, der 1898/99 in die Faschodakrise mündete.

Bei den Wahlen von 1885 verloren die Republikaner ihre stabile Position vor allem zugunsten der Monarchisten. Ursache für diesen Stimmungsumschwung war sowohl die Wirtschaftskrise Mitte der achtziger Jahre, wie auch die wachsende Unzufriedenheit mit der Ausgleichspolitik gegenüber dem Deutschen Reich, aber auch der Unmut über das Ausbleiben sozialer Reformen. In dieser Situation sammelte der chauvinistisch-revanchistische General Georges Boulanger die antiparlamentarisch-nationalistische „Partei der Unzufriedenen” um sich, forderte die Revanche gegenüber dem Deutschen Reich und die Abschaffung des parlamentarischen Systems und stand 1889 kurz vor einem Staatsstreich. Die innenpolitische Krise um den Bestand der Dritten Republik beruhigte sich erst nach dem Tod Boulangers 1891;

die innenpolitische Polarisierung, die in der Boulanger-Krise offensichtlich geworden war, schwelte jedoch weiter. Die Polarisierung manifestierte sich erneut in der Krise um den Panamáskandal 1892/93, und sie eskalierte in der Dreyfus-Affäre 1894. Die Dreyfus-Affäre führte auf der einen Seite zur Verfestigung des nationalistisch-antisemitistischen Blocks aus Armee, Adel, Kirche und Bürgertum, auf der anderen Seite zu einem engeren Zusammengehen der Linken von den Republikanern bis zu den Sozialisten im Interesse der Verteidigung der Republik. Langfristig führte die Affäre zur Konstituierung der beiden Linksparteien Parti radical et radical-socialiste (Radikalsozialisten) und Parti socialiste (Sozialisten). Aus den Wahlen von 1898 gingen – nicht zuletzt aufgrund der Dreyfus-Affäre – die Radikalsozialisten als stärkste Kraft hervor.

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