Geschichte von Frankreich : Die „radikale Republik”
|
Fotografien Frankreich |
In der Folgezeit waren die Radikalsozialisten, die vor allem beim mittleren Bürgertum Rückhalt fanden, die bestimmende politische Kraft; zugleich gewannen die Sozialisten unter Jean Jaurès zunehmend an Einfluss, näherten sich den Radikalsozialisten an und bildeten zeitweise eine Koalition mit ihnen. Das wichtigste Reformprojekt in den ersten Jahren der radikalen Regierung war die endgültige Trennung von Kirche und Staat, die 1905 gemeinsam von Radikalsozialisten und Sozialisten vollendet wurde. Außerdem konnten die Sozialisten die Einführung einer Sozialversicherung und verschiedene Arbeitsschutzgesetze durchsetzen. Die Zusammenarbeit zwischen Radikalsozialisten und Sozialisten fand unter den Ministerpräsidenten Georges Clemenceau (1906-1909) und Aristide Briand (1909-1911 und 1913) ihr Ende: Clemenceau und Briand waren kaum mehr zu sozialen Reformen bereit, ließen Streiks gewaltsam niederschlagen und suchten die Annäherung an das rechte Lager. |
Die Außenpolitik der „radikalen Republik” war geprägt vom Gegensatz zum Deutschen Reich. Bereits 1894 hatte Frankreich ein Bündnis mit Russland geschlossen, nachdem der deutsch-russische Rückversicherungsvertrag ausgelaufen war; 1902 versicherte sich Frankreich der Neutralität Italiens für den Fall eines deutschen Angriffs auf Frankreich, und 1904 schloss es die letztendlich gegen das Deutsche Reich gerichtete Entente cordiale mit Großbritannien. Die Entente cordiale trug mit zum Ausbruch der deutsch-französischen Marokkokrisen bei, die wiederum zur Verfestigung des französisch-britischen Bündnisses führten und vor allem auch in Frankreich die revanchistische Stimmung gegenüber dem Deutschen Reich anheizten. |
1907 wurde die Entente cordiale um Russland zur Tripelentente erweitert, als Gegenbündnis zur deutsch-österreichisch-italienischen Tripelallianz. Der seit der ersten Marokkokrise 1905 wiedererwachte antideutsche Revanchismus bzw. Nationalismus, der zusätzliche Nahrung durch das allgemeine Wettrüsten erhielt, begann nun die politische Stimmung in Frankreich zu dominieren, und 1913 wurde mit Raymond Poincaré ein expliziter Vertreter des Revanchegedankens an die Staatsspitze gewählt. Er konzentrierte sich in der Außenpolitik auf die Stärkung der Tripelentente und nicht, wie von einigen Radikalsozialisten wie dem ehemaligen Ministerpräsidenten Joseph Caillaux (1911/12) sowie den Sozialisten gefordert, auf eine Verständigung mit dem Deutschen Reich. "Frankreich" Encarta |
![]() |
Clément Armand Fallières |
![]() Benutzerdefinierte Suche
|