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Die politischen Parteien im Vereinigten Königreich
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Fotografien Königreich Großbritannien |
Die politischen Parteien, die sich im Vereinigten Königreich im 17. Jahrhundert herausbildeten, sind ein elementarer Bestandteil des politischen Systems. Im Unterhaus sind zwar mehrere Parteien vertreten, in der Vergangenheit war die politische Bühne des Königreiches jedoch über ein Jahrhundert lang von einem Zweiparteiensystem geprägt. Die stärkste Partei im Unterhaus bildet die Regierung, der zweitstärksten Partei kommt die Rolle der Opposition zu – der offizielle Titel lautet „ihrer Majestät loyale Opposition”. Der Oppositionsführer erhält ein Gehalt aus öffentlichen Mitteln. Seit dem Ende des 1. Weltkrieges dominieren die Konservative Partei (Conservative Party) und die Labour Party das politische Geschehen. Encarta |
Die politischen Parteien |
Die Labour Party war sozialistisch orientiert, tendiert jedoch seit Anfang der neunziger Jahre stärker zur politischen Mitte hin. Nach ihrem überwältigenden Wahlsieg im Mai 1945 begann sie mit der Verstaatlichung einzelner Industrien. Die Labour Party wurde 1900 als politischer Arm der Gewerkschaften gegründet und war in ihrer Ausrichtung von der Fabian Society beeinflusst. Ihre Wählerschaft sowie finanzielle Unterstützung bezog sie aus beiden Gruppen. In jüngster Zeit führten Veränderungen in der Parteisatzung zu einer Reduzierung des Gewerkschaftseinflusses auf die politische Linie der Partei. Der politische Kurs der Konservativen Partei ist tendenziell auf die Unterstützung der privaten Wirtschaft und eine Reduktion der Regulierung durch den Staat ausgerichtet. Nach dem 2. Weltkrieg stimmte sie jedoch auch sozialpolitischen Maßnahmen wie dem Beveridge-Plan zu, der die Einrichtung eines umfassenden Sozialversicherungssystems vorsah. Der ebenfalls um diese Zeit gegründete staatliche Gesundheitsdienst (National Health Service) erhält nach wie vor breite Zustimmung in der Öffentlichkeit. In den achtziger Jahren versuchten die Konservativen, die zu dieser Zeit die Regierung bildeten, den Gesundheitsdienst zu reformieren, um Kosten zu senken und die Prinzipien des freien Marktes stärker einzubringen; die Bestrebungen stießen jedoch auf beträchtlichen Widerstand. Die Liberale Partei (Liberal Party), die jahrzehntelang immer wieder Regierungen gestellt hatte, verlor in jüngerer Zeit ihren Rückhalt bei den Wählern. 1988 tat sie sich mit der Sozialdemokratischen Partei (SDP: Social Democratic Party, von Labour-Abtrünnigen gegründet) zusammen, woraus die Liberal-Demokratische Partei (Liberal Democrat Party) entstand. |
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Bild von Big Ben. Bilder E. Buchot |
In den neunziger Jahren gehörten zur Parteienlandschaft außerdem die nationalistischen Parteien von Schottland und Wales, Scottish Nationalist Party und Plaid Cymru, sowie die Parteien Nordirlands, die Ulster Unionist Party, die Democratic Unionist Party, die Social Democratic and Labour Party und Sinn Féin. Alle sind im Unterhaus vertreten, wobei jedoch die zwei Abgeordneten der Sinn Féin vom Parlamentspräsidium von der Mitarbeit ausgeschlossen sind, da sie den Treueeid auf die Königin nicht leisten wollen. Das Parlament Nordirlands ist seit 1972 suspendiert. Weitere, nicht im Parlament vertretene Parteien sind die Kommunistische Partei und die Partei der Grünen. In den Parlamentswahlen von 1997 errangen die kleinen Parteien insgesamt fast 26,2 Prozent der Stimmen (davon 16,7 Prozent für die Liberal-Demokraten), erhielten jedoch infolge des Mehrheitswahlrechtes, bei dem nur der jeweilige Sieger eines Wahlkreises einen Sitz erhält, nur 75 von insgesamt 651 Sitzen im Unterhaus. Die Konservativen hingegen verloren über 11 Prozent im Vergleich zur Wahl von 1992 und erlitten ihre schwerste Niederlage seit 1832: Sie erhielten nur noch 30,6 Prozent der Stimmen und 165 Sitze im Parlament, Labour dagegen erzielte mit 43,2 Prozent der Stimmen das bisher beste Wahlergebnis für die Partei und 419 Sitze. Die Wahlen von 2005 ließen die Diskrepanzen zwischen den Stimmenanteilen der Parteien und der Mandatsverteilung noch deutlicher werden: Die Labour Party erhielt 35,2 Prozent der Stimmen, die Konservativen bekamen 32,3 Prozent, und alle übrigen Parteien zusammen 32,5 Prozent. Was die Sitzverteilung anbelangte, so kam Labour auf 356 Mandate, die Konservativen auf 197, und 92 Mandate entfielen auf die übrigen Parteien (darunter 62 auf die Liberal-Demokraten). Diese Diskrepanz zwischen dem Rückhalt der kleinen Parteien in der Bevölkerung und ihrer Repräsentation im Parlament hat inzwischen Forderungen nach der Einführung eines Verhältniswahlrechtes laut werden lassen, die vor allem von den Liberal-Demokraten mit Nachdruck vertreten werden.Encarta |