Geschichte von Norwegen : Wechselnde Regierungen
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Fotografien Norwegen |
Bei den Parlamentswahlen im September 1961 verlor die Arbeiterpartei erstmals seit 1935 die absolute Mehrheit, ging aber erneut als stärkste Partei hervor. Ministerpräsident Gerhardsen, der mit Ausnahme der Jahre 1951 bis 1955 seit Kriegsende die Regierung geführt hatte, wurde als Regierungschef bestätigt. Die neuerliche Niederlage der Arbeiterpartei bei den Parlamentswahlen 1965 markierte jedoch das Ende ihrer 30-jährigen Regierungszeit. König Olaf V., der nach dem Tod von Håkon VII. 1957 den Thron bestiegen hatte, beauftragte daraufhin den Vorsitzenden des Zentrums, Per Borten, mit der Regierungsbildung. Unter seiner Führung formierte sich nun eine Mitte-rechts-Koalition. 1967 wurde in Norwegen ein umfangreiches Sozialprogramm in die Wege geleitet. |
1970 bewarb sich Norwegen um die Aufnahme in die Europäische Gemeinschaft (EG). Dieser Schritt führte jedoch zu Konflikten zwischen den Koalitionspartnern, die schließlich 1971 den Rücktritt Bortens zur Folge hatten. Trygve Bratteli, der Vorsitzende der Arbeiterpartei, bildete eine Minderheitsregierung, die mit größerem Nachdruck für eine EG-Mitgliedschaft eintrat. |
Allerdings lehnten die Norweger 1972 in einem Volksentscheid den Beitritt ab, woraufhin die Regierung Bratteli zurücktrat. Nun übernahm wieder eine bürgerliche Koalition unter der Führung von Lars Korvald (Christliche Volkspartei, KFP) die Regierung. Im Mai 1973 unterzeichnete Norwegen ein Freihandelsabkommen mit der EG. Bei den Parlamentswahlen im selben Jahr musste die Arbeiterpartei erneut Verluste hinnehmen, doch Bratteli gelang es nochmals, eine Minderheitsregierung zu bilden. Bratteli trat im Januar 1976 zurück, seine Partei blieb aber bis zu den Wahlen im September 1981 an der Macht und stellte zuletzt mit Gro Harlem Brundtland Norwegens erste Ministerpräsidentin. Die Parlamentswahlen im September 1981 gewannen die konservativen Parteien mit einer komfortablen Mehrheit der Stimmen; |
im Oktober übernahm Kåre Willoch von der Konservativen Partei die Regierung an der Spitze einer bürgerlichen Koalition, die 1985 wieder gewählt wurde. |
Die Entdeckung von Erdöl- und Ergasvorkommen im norwegischen Sektor der Nordsee in den sechziger Jahren und die Ausbeutung der Öl- und Gasressourcen ab den siebziger Jahren ließen einen erheblichen Wirtschaftsaufschwung erwarten. Anfang der achtziger Jahre war das Erdöl aus den Nordseefeldern mit etwa 30 Prozent an den jährlichen Exporteinnahmen beteiligt. Nachdem 1985/86 die Erdölpreise rasch gefallen waren und deshalb zu erwarten war, dass die Steuer- und Exporteinnahmen geringer ausfallen würden, plante die Regierung Willoch im April 1986 eine Anhebung der Mineralölsteuer. Jedoch zog dieser Plan ein Misstrauensvotum gegen Willoch nach sich, das mit seiner Abwahl endete. Unter Brundtland als Ministerpräsidentin übernahm wieder die Arbeiterpartei in Form einer Minderheitsregierung die Regierungsverantwortung. Nach dem schlechten Abschneiden ihrer Partei bei den Wahlen im September 1989 trat Brundtland zurück und führte die Arbeiterpartei in die Opposition. |
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Harald V. von Norwegen |
Auch Brundtlands Nachfolger Jan P. Syse von der Konservativen Partei führte eine Minderheitsregierung. Diese Regierung scheiterte jedoch schon im Oktober 1990 an der Uneinigkeit über die Europapolitik und wurde im folgenden Monat von einer von Brundtland angeführten Koalition abgelöst. Nach dem Tod von König Olaf V. im Januar 1991 bestieg sein Sohn, Harald V., den Thron. 1992/93 spielten norwegische Regierungsmitglieder unter der Führung von Außenminister Johan Holst eine wesentliche Rolle bei den Friedensverhandlungen zwischen Israel und der Palästinensischen Befreiungsorganisation, die schließlich in den Oslo-Verträgen mündeten. |
Nachdem die Gespräche der Europäischen Union (EU) mit Norwegen zunächst aufgrund einer Kontroverse über die Fischfangrechte in den norwegischen Gewässern in der Nordsee ins Stocken geraten waren, gab das Europaparlament am 4. Mai 1994 den Staaten Norwegen, Schweden, Finnland und Österreich grünes Licht für den Beitritt zur EU. Die norwegische Bevölkerung lehnte jedoch per Volksentscheid am 27./28. November 1994 mit 52,4 Prozent der Stimmen ein zweites Mal einen Beitritt zur EU ab. Das Ergebnis war u. a. auf den von der Landbevölkerung befürchteten Abbau der umfangreichen staatlichen Subventionen in den Bereichen Fischerei und Landwirtschaft zurückzuführen. Viele Wählerinnen sahen außerdem die norwegische Sozialpolitik, insbesondere die Gleichstellung der Frauen gefährdet. Und schließlich befürchteten breite Teile der Bevölkerung, dass durch eine EU-Mitgliedschaft die strengen Umweltschutzgesetze Norwegens untergraben werden könnten. Im Februar 1994 wurde im norwegischen Lillehammer die XVII. Winterolympiade ausgetragen. |
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Im Oktober 1996 trat Brundtland als Ministerpräsidentin zurück; ihr Nachfolger, der Vorsitzende der Arbeiterpartei Thorbjörn Jagland, führte die Minderheitsregierung der Arbeiterpartei fort. Aus den Parlamentswahlen im September 1997 ging die Arbeitspartei zwar mit 65 der insgesamt 165 Mandate erneut als stärkste Kraft hervor, hatte aber wieder Verluste hinnehmen müssen und zahlreiche Wähler an die rechtsgerichtete Fortschrittspartei (FP) verloren, die mit 25 Mandaten zweitstärkste Partei wurde, sich diesen Rang aber mit der christdemokratischen KFP teilen musste, die ebenfalls 25 Mandate errang. |
Kjell Magne Bondevik |
In der Folge bildete der Christdemokrat Kjell Magne Bondevik eine bürgerliche Minderheitsregierung aus seiner KFP mit der liberalen Venstre (V) und der grün-liberalen Zentrumspartei (SP), die allerdings nur über 42 Mandate im neuen Parlament verfügte, jedoch von der konservativen Høyre (H) und der rechtsgerichteten FP unterstützt wurde. Nach einer Abstimmungsniederlage im Parlament reichte Ministerpräsident Bondevik am 10. März 2000 seinen Rücktritt ein. König Harald V. beauftragte daraufhin den Sozialdemokraten Jens Stoltenberg mit der Bildung einer neuen Regierung. Bei den Parlamentswahlen vom 9./10. September 2001 musste die regierende Arbeiterpartei eine schwere Niederlage hinnehmen: Zwar blieb sie mit 43 Mandaten stärkste Partei, verlor aber gegenüber den Wahlen von 1997 etwa ein Drittel ihrer Parlamentssitze. Gewinner der Wahlen war die konservative Høyre unter ihrem Vorsitzenden Jan Petersen, die unter großen Zugewinnen mit 38 Mandaten überraschend zweitstärkste Kraft geworden war. Die Regierungs- bzw. Koalitionsbildung gestaltete sich angesichts der neuen Kräfteverteilung äußerst schwierig. Am 19. Oktober 2001 berief König Harald V. erneut Bondevik, dessen KFP mit 22 Mandaten nur viertstärkste Partei geworden war, zum Ministerpräsidenten. Bondevik bildete eine Minderheitsregierung aus seiner KFP, der Høyre und der liberalen Venstre (zwei Mandate), die lediglich über 62 der insgesamt 165 Parlamentssitze verfügte; parlamentarische Unterstützung erhielt die Regierung von der FP (26 Mandate). Die Parlamentswahlen am 11./12. September 2005 leiteten erneut einen Regierungswechsel ein: Die DNA unter Jens Stoltenberg konnte sich auf 61 Mandate verbessern, während die KPF auf elf Mandate und Høyre auf 23 zurückfiel, die FP aber auf 38 Mandate hinzugewann. Zusammen mit den Koalitionspartnern Sozialistische Linkspartei (SVP) und SP verfügte die DNA nun über 87 Mandate und somit über die absolute Mehrheit. Mit der Vereidigung des neuen Kabinetts mit Stoltenberg als Ministerpräsidenten am 17. Oktober 2005 übernahm zum ersten Mal seit fast 20 Jahren wieder eine Mehrheitsregierung die Macht. Norwegen," Microsoft® Encarta |
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