Geschichte von Frankreich : Der Niedergang des absolutistischen Königtums
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1715 folgte Ludwig XIV. dessen gerade erst fünfjähriger Urenkel Ludwig XV. (1715-1774) auf dem Thron. Die Versuche seines Regenten Herzog Philipps II. von Orléans, die Staatsfinanzen zu konsolidieren, schlugen auf der ganzen Linie fehl. Erst dem Kardinal Fleury, 1726 zum Ersten Minister ernannt, gelang es durch intensive Förderung der Wirtschaft, den Haushalt auszugleichen und sogar einen Überschuss zu erwirtschaften. Einer nachhaltigen Konsolidierung sowohl der Finanzen als auch des Königtums standen jedoch die Willkürpolitik und die Günstlings- und Mätressenwirtschaft des Königs sowie die neuerlichen, diesmal verlustreichen Kriege entgegen. Im Polnischen Erbfolgekrieg (1733-1735) gelang es Ludwig nicht, den Anspruch seines Schwiegervaters Stanislaus I. Leszczynski auf den polnischen Thron durchzusetzen; dafür erwarb er (endgültig erst 1766) das Herzogtum Lothringen. Der Österreichische Thronfolgekrieg (1740-1748), während dem sich Frankreich und Großbritannien auch in ihren Kolonien in Amerika bekriegten, endete für Frankreich ohne jeden Gewinn. |
Im Vorfeld des Siebenjährigen Krieges (1756-1763) wechselte Frankreich von der Seite Preußens zu Österreich über, was sich am Ende als verhängnisvoller Schritt erweisen sollte: Am Ende des Krieges, der zu einem nicht unwesentlichen Teil in den Kolonien abspielte, verlor Frankreich seine ganzen nordamerikanischen und Teile seines indischen Kolonialbesitzes an Großbritannien. |
Angesichts der neuerlichen katastrophal hohen Staatsverschuldung suchte Ludwig XV. zusammen mit seinem Minister René de Maupeou das Steuersystem zu reformieren und alle Einkünfte aller Stände, also auch die des bisher von der Steuer befreiten Adel und Klerus, zu besteuern. Die vom Adel beherrschten Parlamente wiesen solche Reformvorschläge jedoch strikt zurück, woraufhin den Parlamenten ihr Recht, königliche Dekrete abzulehnen, entzogen wurde. Ludwigs XV. Nachfolger Ludwig XVI. (1774-1792) musste diese Parlamentsreform auf Druck des Adels wieder zurücknehmen. Unterdessen zog der Widerstand gegen das absolutistische Königtum und die überkommenen Strukturen des Ancien Régime immer breitere Kreise: Führende Vertreter der Aufklärung wie Voltaire, Rousseau und Montesquieu übten in ihren Schriften fundierte Kritik an den politischen und gesellschaftlichen Strukturen; |
das Bürgertum, das unterdessen zur wirtschaftlich führenden Schicht aufgestiegen war, forderte entsprechend seiner Wirtschaftskraft soziale Anerkennung und als führende Schicht des Dritten Standes politische Mitsprache; die unteren Schichten verlangten die Abstellung der sozialen und wirtschaftlichen Missstände. |
Unmittelbar nach seinem Regierungsantritt 1774 nahm Ludwig XVI. eine Reform des Finanz- und des Rechtswesens in Angriff. Sein Finanzminister Turgot schaffte die härtesten Steuern ab; als er jedoch im Sinne einer gerechten Steuerreform auch den Adel zu besteuern suchte, musste er auf Druck des Adels zurücktreten. Sein Nachfolger Jacques Necker führte die Reformen fort, wieder ohne den Adel zu besteuern. Als Necker den gesamten Staatshaushalt, also auch die immensen Ausgaben des Hofes, offenlegte und damit in der Öffentlichkeit große Empörung hervorrief, musste auch er 1781 seinen Abschied nehmen. Angesichts des drohenden Staatsbankrotts und auf Druck der Öffentlichkeit rief Ludwig 1788 Necker an den Hof zurück, und für 1789 berief er die Generalstände wieder ein – sie hatten seit 1614 nicht mehr getagt. "Frankreich" Microsoft® Encarta |
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