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Neuseeland seit Mitte des 20. Jahrhunderts
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Anfang 1972 trat Holyoake zurück. Bei den Wahlen im November desselben Jahres kehrte die Labour Party unter der Führung von Norman Eric Kirk an die Regierung zurück; den Wahlsieg verdankte Labour u. a. der fortschreitenden wirtschaftlichen Rezession. 1973 verständigten sich Kirk und der australische Premierminister Gough Whitlam auf eine Vertiefung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern. Dies war auch eine Reaktion auf den im selben Jahr vollzogenen Beitritt Großbritanniens zur Europäischen Gemeinschaft, der negative Auswirkungen auf die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Großbritannien und den Commonwealth-Staaten hatte. Ebenfalls 1973 nahm Neuseeland diplomatische Beziehungen zur Volksrepublik China auf.

Nach Kirks Tod 1974 trat Wallace Edward Rowling seine Nachfolge an. 1975 kam erneut die National Party unter Robert Muldoon an die Macht; 1978 und 1981 wurde sie mit knapper Mehrheit als Regierungspartei bestätigt. Ihren Versuchen, die Probleme der neuseeländischen Wirtschaft in den Griff zu bekommen, war wenig Erfolg beschieden.

Die Wahlen von 1984 erbrachten erneut einen Regierungswechsel: Die Labour Party unter David Lange erlangte die Mehrheit im Parlament zurück. Lange leitete eine Reihe tief greifender Wirtschaftsreformen ein; u. a. wurden Handelsschranken und staatliche Kontrollen abgebaut. Trotz vieler unpopulärer Maßnahmen ging die Labour Party aus den Wahlen von 1987 erneut als Siegerin hervor. 1989 trat Lange aus gesundheitlichen Gründen zurück und wurde durch Geoffrey Palmer ersetzt. Im September 1990 zwangen parteiinterne Konflikte und die sinkende Popularität der Regierung Palmer zum Rücktritt; er wurde durch Michael Moore abgelöst.

Außenpolitisch war die Labour-Regierung der achtziger Jahre von einer stärkeren Annäherung an die Nachbarstaaten in Ozeanien und Südostasien sowie von zunehmenden Spannungen mit den USA geprägt.
Ab 1984 sperrte die Regierung Lange im Rahmen seiner neuen antinuklearen Politik die neuseeländischen Häfen für kernwaffenbestückte Kriegsschiffe, so auch für US-amerikanische; die USA brachen daraufhin ihre militärischen Beziehungen zu Neuseeland ab und schlossen das Land aus dem ANZUS-Pakt aus (1994 kehrte Neuseeland in den Pakt zurück). 1987 erklärte sich Neuseeland zur „nuklearfreien Zone“. Die Beziehungen zu Frankreich erlebten nach der Versenkung des Greenpeace-Schiffes Rainbow Warrior durch den französischen Geheimdienst in neuseeländischen Hoheitsgewässern einen Tiefpunkt. Die Rainbow Warrior hatte gegen die andauernden französischen Nukleartests im Pazifik demonstriert; die neuseeländische Regierung hatte bereits seit den siebziger Jahren immer wieder Protest gegen diese Tests eingelegt.

1990 wurde die Labour Party wieder von der National Party unter der Führung von James Bolger aus der Regierungsverantwortung verdrängt. Die Regierung Bolger trieb die Konsolidierung der Wirtschaft weiter voran, indem sie die Privatisierung staatlicher Unternehmen forcierte und Einsparungen am sozialen System vornahm. 1992 stimmten die Neuseeländer in einem Referendum für die Änderung des Wahlsystems zugunsten eines Verhältniswahlsystems, durch das die kleineren Parteien gestärkt werden sollten.

Eines der zentralen Themen der Nachkriegszeit, insbesondere seit den siebziger Jahren, waren die Rechte der Maori. Schon seit den sechziger Jahren traten die Maori zunehmend mit der Forderung nach größerer Beteiligung in Politik und Gesellschaft, nach Erhalt ihrer Kunst und Kultur, aber vor allem auch nach der Rückgabe von Land in die Öffentlichkeit. 1975 wurde der Waitangi-Ausschuss eingerichtet, der die Ansprüche der Maori auf Land untersuchen sollte, das sie durch und seit dem Waitangi-Vertrag verloren hatten.

Helen Clark
Helen Clark
1987 stellte ein richtungsweisender Gerichtsentscheid fest, dass der Waitangi-Vertrag insbesondere in Landfragen vor aller anderer Gesetzgebung Vorrang habe. Am 22. Mai 1995 unterzeichneten Bolger und Dame Arkinui Te Atairangikaahu, Königin der Tainui, des größten Maori-Stammes, ein Abkommen, durch das den Tainui knapp 16 000 Hektar Land aus Staatsbesitz zurückerstattet wurden; zudem leistete Neuseeland eine Entschädigungszahlung und entschuldigte sich formell bei den Maori für von den britischen Einwanderern zugefügtes Unrecht. Im folgenden Jahr wurde ein weiterer Maori-Stamm, die Whakatohea, für beschlagnahmtes Land finanziell entschädigt.
Aus den erstmals nach dem neuen Wahlrecht durchgeführten Wahlen 1996 ging die National Party mit 44 von 120 Sitzen zwar wieder als stärkste Fraktion hervor, hatte nun aber ihre absolute Mehrheit eingebüßt und musste eine Koalition mit der populistischen New Zealand First Party (NZFP) eingehen. Im Dezember 1997 trat Bolger, infolge der Wahlniederlage innerhalb der eigenen Partei zunehmend unter Druck geraten, zurück; seine Nachfolgerin im Amt des Premierministers wurde Jenny Shipley. Zur Stabilisierung der Wirtschaft setzte sie Bolgers Privatisierungskurs und den Abbau von Sozialleistungen unbeirrt fort. Über einer Privatisierungsfrage zerbrach im August 1998 die NP/NZFP-Koalition: Die NZFP lehnte den von der NP betriebenen Verkauf des Staatsanteils am Flughafen von Wellington an ein ausländisches Konsortium strikt ab. Nach dem Bruch der Koalition regierte die NP mit Shipley an der Spitze als Minderheitsregierung weiter.
Whina Cooper
Die Wahlen vom November 1999 brachten wieder die Labour Party an die Regierung: Die LP gewann 49 der 120 Sitze und bildete eine Koalition mit der linksgerichteten Alliance Party; Premierministerin wurde Helen Clark. Bei den vorgezogenen Wahlen vom Juli 2002 erlangte die LP 52 Mandate und baute damit ihre Position als stärkste politische Kraft aus, während die NP von 39 Mandaten 1999 auf nur noch 27 Sitze abrutschte. Da dem bisherigen Labour-Koalitionspartner der Wiedereinzug ins Parlament nicht gelungen war, bildete Helen Clark eine Minderheitsregierung. In Abkehr von der Politik ihrer konservativen Vorgängerregierungen legte Clark wieder mehr Gewicht auf den sozialen Sektor, insbesondere die Gesundheits- und die Bildungspolitik, während Neuseeland zugleich ein kontinuierliches Wirtschaftwachstum zu verzeichnen hatte, das sogar trotz zunehmender Zuwanderung einen Arbeitskräftemangel zur Folge hatte.
Whina Cooper
Trotz dieser positiven Entwicklung verlor die Labour Party bei den Parlamentswahlen im September 2005 gegenüber 2002 zwei Mandate und stellte nur noch 50 Abgeordnete, während sich die National Party um 21 auf 48 Sitze verbessern konnte. In der Folge vereinbarte Clark entgegen den Erwartungen mit drei kleinen konservativen Parteien – NZFP, Progressives und United Future – eine Regierungszusammenarbeit; zusammen verfügten die vier Regierungsparteien über 61 der insgesamt 121 Parlamentssitze. Bei den Parlamentswahlen im November 2008 verbesserte sich die National Party unter Ihrem Spitzenkandidaten John Key auf 62 Sitze, während die Labour Party nur noch auf 41 Sitze kam; mit diesem Wahlergebnis wurde ein Regierungswechsel mit John Key als neuem Premierminister eingeleitet. Neuseeland," Microsoft® Encarta
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