Geschichte Australiens: Jüngere Entwicklung
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Fotografien Australien |
Von 1949 bis 1966 war Robert Menzies Premierminister. Unter ihm, dem australischen Premierminister mit der längsten ununterbrochenen Amtszeit, erlebte das Land eine lange Phase der politischen Stabilität. Menzies war einer der Mitbegründer und führenden Köpfe der Liberal Party, die 1944 anstelle der United Australian Party, die sich aufgelöst hatte, entstanden war und die auch starken Zustrom aus den Reihen derer erhielt, die die Innenpolitik der Labor Party ablehnten. Menzies betonte einerseits die Bindung zur britischen Krone, zeigte andererseits aber auch ein weitaus aktiveres Interesse an Verbindungen und Kooperationen im pazifischen und im südasiatischen Raum (wie sie etwa der Colombo-Plan ermöglichte), als es seine Vorgänger je getan hatten. Auch das Bündnis mit den USA wurde immer enger: Australien richtete sich in seiner Außenpolitik nach dem amerikanischen Vorbild, nahm am Koreakrieg teil, trat 1954 dem Verteidigungsbündnis SEATO bei und kämpfte im Vietnamkrieg als Alliierter der USA. Daneben wurden die wirtschaftlichen Beziehungen zu Japan erheblich ausgebaut. Im Inneren war gegen Ende von Menzies’ Amtszeit die White Australia Policy, die die Einwanderung praktisch auf Europäer beschränkte, bereits dem Untergang geweiht, wurde aber erst 1973 offiziell abgeschafft. |
Jüngere Entwicklung |
Bis 1972 stellte weiterhin die Liberal Party mit Unterstützung der Country Party die Premierminister und bemühte sich um die Fortführung von Menzies’ Politik. 1972 kam wieder die Labor Party unter Gough Whitlam an die Macht. Seine ambitionierten Pläne für eine Reform des Sozialsystems kollidierten jedoch mit dem Recht der Bundesstaaten auf Selbstbestimmung sowie mit dem Rückgang des Wirtschaftswachstums. Nach der umstrittenen Auflösung der Regierung Whitlam durch Generalgouverneur Sir John Kerr kehrte 1975 die Koalition aus Liberalen und der Country Party unter Malcolm Fraser an die Macht zurück. Fraser schloss in der Innen- und der Außenpolitik an die früheren Regierungen der Liberal Party an. Er schuf durch den Aboriginal Land Rights Act 1976 im Northern Territory die Grundlage für den Anspruch der australischen Urbevölkerung auf Grund und Boden. |
Frasers Koalition überstand die Wahlen von 1980 nur mit einer geringen Mehrheit, und bei den Wahlen im März 1983 erlitt Fraser eine empfindliche Niederlage, nachdem seine Partei u. a. durch Außenhandelsskandale geschwächt worden war. Die Regierung übernahm nun wieder die Labor Party, Premierminister wurde Robert Hawke. Er bemühte sich um die Ankurbelung der Wirtschaft und betrieb eine strikt proamerikanische Außenpolitik. Die Labor Party konnte ihre Mehrheit in den Wahlen im Dezember 1984, Juli 1987 und März 1990 erneut jeweils behaupten. Im Dezember 1991, als in Australien eine Wirtschaftsrezession einsetzte und die Popularität von Hawke langsam schwand, wählte die Labor Party Paul John Keating zum Parteivorsitzenden und Premierminister. Keating befürwortete die Umstrukturierung Australiens in eine Bundesrepublik und betonte die Notwendigkeit der Reorientierung in Richtung Asien. |
In den Wahlen vom März 1993 führte er die Labor Party erneut zum Sieg. Bei den Parlamentswahlen im März 1996 gelang es dem liberal-konservativen Oppositionsbündnis, die Labor Party nach 13 Jahren von der Macht zu verdrängen. Wahlsieger und neuer Premierminister wurde der Liberale John Howard, dessen Regierungsbündnis aus Liberal Party und National Party auch aus den Parlamentswahlen im Oktober 1998, im November 2001 sowie im Oktober 2004 mit der absoluten Mehrheit der Mandate hervorging. Unter Howards Regierung erlebte Australien einen Wirtschaftsaufschwung, erreichte einen ausgeglichenen Haushalt und verzeichnete die niedrigsten Arbeitslosenzahlen seit Jahrzehnten; Ursache waren u. a. ein durch die 27. |
Olympischen Sommerspiele im Jahr 2000 in Sydney ausgelöster Wirtschafts- und Immobilienboom sowie hohe Weltmarktpreise bei den wichtigsten Exportrohstoffen wie Kohle und Eisenerz, aber auch die neoliberale Wirtschaftspolitik der Regierung. Die geringe Arbeitslosigkeit verdankte sich außer dem Wirtschaftsaufschwung auch umfassenden Reformen des Arbeitsrechts, die meist zu Lasten der Arbeitnehmerrechte gingen, sowie einer Verschärfung der Asyl- und der Einbürgerungsgesetzgebung. Während die Innenpolitik der Regierung Howard vor allem aufgrund der positiven Wirtschaftsentwicklung auf breite Zustimmung stieß – trotz restriktiver Gesetzgebung in manchen Bereichen –, geriet in der Außenpolitik die enge Anlehnung an die USA, die u. a. eine Beteiligung an dem US-geführten Irak-Krieg nach sich gezogen hatte, zunehmend in die Kritik. |
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John Winston Howard |
Auch die Klimapolitik der Regierung Howard, die lange Zeit das Phänomen des Klimawandels und einen Zusammenhang zwischen Treibhausgasen und globaler Erwärmung verneinte, erwies sich als nicht mehr mehrheitsfähig. Erst als eine seit Jahren andauernde Dürre katastrophale Ausmaße annahm – etwa in Form von zahlreichen Buschbränden sowie dramatisch gesunkenen Wasservorräten, was insbesondere die Landwirtschaft in Mitleidenschaft zog –, änderte die Regierung ihren Kurs, beschränkte sich jedoch auf Einzelmaßnahmen wie das Verbot herkömmlicher Glühbirnen ab 2010 und verweigerte weiterhin die Ratifikation des Kyoto-Protokolls (siehe internationale Umweltschutzabkommen) zur Reduzierung des Ausstoßes von Treibhausgasen. Australien verzeichnete die höchste Pro-Kopf-Emission von Treibhausgasen weltweit. |
Vor allem ihre Klimapolitik und ihr Engagement im Irak-Krieg waren es, die der Regierung Howard bei den Wahlen im November 2007 eine drastische Niederlage einbrachten, während die Labor Party nach elfeinhalb Jahren in der Opposition die absolute Mehrheit der Mandate gewann und mit ihrem Vorsitzenden Kevin Rudd als Premierminister wieder die Regierung übernahm. Unmittelbar nach ihrem Amtsantritt unterzeichnete die neue Regierung am 3. Dezember 2007 als erste Amtshandlung das Kyoto-Protokoll. Für sehr großes Aufsehen und vor allem für Genugtuung bei den Aborigines sorgte im März 2008 die formelle Entschuldigung der Regierung Rudd bei der so genannten „gestohlenen Generation” der Aborigines; die Vorgängerregierung hatte eine solche Entschuldigung stets verweigert. Die „gestohlene Generation” sind die etwa 100 000 Kinder, die zwischen 1900 und etwa 1970 Familien mit meist nur einem indigenen Elternteil weggenommen und in weiße Pflegefamilien oder Missionsstationen gegeben wurden, vorgeblich, um ihre Chancen zu verbessern, tatsächlich aber wohl eher, um die Kultur der Aborigines noch weiter zurückzudrängen. Entschädigungszahlungen an die „gestohlene Generation” lehnte die Bundesregierung allerdings ab, im Gegensatz zur tasmanischen Regierung, die unterdessen solche Zahlungen leistete. "Australien," Microsoft® Encarta® Online-Enzyklopädie 2009 http://de.encarta.msn.com © 1997-2009 Microsoft Corporation. Alle Rechte vorbehalten. |
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