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Geschichte Irlands : Irische Unabhängigkeit: Freistaat und Republik
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Am 24. April 1916 (Ostersonntag), kam es zu einem Aufstand in Dublin, der von Patrick Pears, James Connolly und Roger Casement angeführt wurde. Der so genannte Osteraufstand scheiterte aber bereits nach fünf Tagen, und die Anführer wurden hingerichtet. Diese Exekutionen radikalisierten die Sinn Féin und ihren militärischen Arm, die Irish Republican Army (IRA), die nun großen Zulauf hatte.

Bei den Wahlen zum Londoner Unterhaus von 1918 verlor die irische Home-Rule-Partei ihre Mehrheit an Sinn Féin. Im Januar 1919 bildeten die irischen Unterhausabgeordneten ein eigenes Parlament (Cáil Éirean), das die Unabhängigkeit erklärte und eine Regierung unter Eamon de Valera einsetzte. Großbritannien erkannte die Unabhängigkeit nicht an, und es kam bis 1921 zu einem Untergrundkrieg, zum so genannten angloirischen Krieg zwischen der IRA und der Royal Irish Constabulary, die von britischen Armeeeinheiten, den Black and Tans, unterstützt wurde.

Noch während des Untergrundkrieges verabschiedete 1920 das britische Parlament in London je ein Home-Rule-Gesetz für die mehrheitlich sechs protestantischen nordirischen und für die übrigen Grafschaften der Insel.

Um den Konflikt zu entschärfen, war Premierminister Lloyd George im Juli 1921 bereit, mit Sinn Féin zu verhandeln. Nach fünfmonatigen Gesprächen wurde am 6. Dezember 1921 ein Unabhängigkeitsvertrag unterzeichnet, der am 7. Januar 1922 ratifiziert wurde. Nach diesem Vertrag erhielten 26 Grafschaften den Status eines Freistaates (Saorstát Éreann) innerhalb Großbritanniens (bzw. des späteren Commonwealth); doch die sechs Grafschaften der Nordprovinz in Ulster hatten in einer Volksabstimmung für den Verbleib bei Großbritannien gestimmt. (Zur weiteren Entwicklung der sechs nordirischen Grafschaften siehe Nordirland und Nordirland-Konflikt.) Zum ersten Ministerpräsidenten des neuen Staates wurde Arthur Griffith gewählt, der aber nach nur einem halben Jahr im Amt am 12. August 1922 starb. Sein Nachfolger wurde William Thomas Cosgrave, der bis 1932 regierte.

Die Gegner des Vertrags gaben aber nicht auf: Es kam bis 1923 zu bewaffneten Auseinandersetzungen, aus denen die Regierung als Sieger hervorging. Die Befürworter des angloirischen Vertrags schlossen sich 1923 zu Cumann na nGaedheal zusammen, aus der sich die Partei Fine Gael (FG) entwickelte. Die unterlegenen Gegner des Vertrags formierten sich erst drei Jahre später zu einer politischen Partei: 1926 gründete Eamon de Valera die Fianna Fáil (FF), die 1932 bei den Wahlen die Fine Gael überflügeln konnte und nun mit de Valera den Ministerpräsidenten stellte (bis 1948). Am 29. Dezember 1937 trat eine neue Verfassung in Kraft, mit der u. a. der Name des Staates in gälisch Éire (englisch Ireland) geändert und das Amt des Staatspräsidenten eingeführt wurde. Großbritannien erkannte die Verfassung erst 1945 an. Erster Staatspräsident wurde Douglas Hyde (1938-1945), der von Seán Tomás O’Kelly (1945-1959) von Sinn Féin abgelöst wurde.

Dessen vier Nachfolger bis 1990 gehörten alle der FF an: de Valera (1959-1973), Erskine Childers (1973/74), Cearbhall O’Dálaigh (1974-1976) und Patrick J. Hillery (1976-1990). Mit der parteilosen Mary Robinson wurde 1990 erstmals eine Frau in das höchste Staatsamt gewählt; ihr folgte 1997 mit der FF-Kandidatin Mary McAleese erneut eine Frau.

1948 hatte eine Koalition unter John Aloysius Costello (FG), der bis 1951 und erneut von 1954 bis 1957 das Amt des Premierministers bekleidete, die Regierung übernommen. 1949 erklärte die Regierung Costello Irland zur Republik (gälisch: Poblacht na hÉireann) und erklärte den Austritt aus dem Commonwealth. Dies hatte aber Spannungen zwischen der Republik und Nordirland zur Folge. Premierminister Seán Lemass (1959-1966) sicherte deshalb Nordirland zu, dass nur eine Volksabstimmung über die Vereinigung beider Teile entscheiden könne. 1955 trat Irland den Vereinten Nationen (UN) bei, und 1973 wurde die Republik Irland Mitglied in der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG).

Seit den fünfziger Jahren, verstärkt seit Ende der sechziger Jahre unternahm die IRA immer wieder Terroranschläge; ihr Ziel war die Wiedervereinigung der Insel und die Errichtung einer gesamtirischen Republik. Gegen die katholische IRA formierten sich protestantische militante Organisationen, die ebenfalls vor Terror und Gewalt nicht zurückschreckten. Die britische und die irische Regierung suchten immer wieder nach einer Lösung des Nordirland-Konfliktes und klammerten dabei auch die Frage der Wiedervereinigung beider Teile nicht aus. Abgesehen von

Michael Collins
Michael Collins. Encarta
der Vereinbarung von Hillsborough 1985, die der Republik Irland eine beratende Funktion bei Nordirland betreffenden Angelegenheiten einräumte, brachten die britisch-irischen Gespräche zunächst jedoch kaum Fortschritte. Erst Mitte der neunziger Jahre deutete sich eine Lösung des Nordirlandproblems an.
Bertie Ahern
Die außerordentlich schlechte wirtschaftliche Lage des Landes – weitgehend agrarische Struktur, hohe Arbeitslosigkeit, hohe Staatsverschuldung – führte in den siebziger Jahren zu häufigen Regierungswechseln zwischen den beiden großen politischen Parteien FF und FG: Auf die FF-Regierungen unter John Lynch (1977-1979) und Charles James Haughey (1979-1981) folgte zunächst für kurze Zeit die FG unter Garret FitzGerald. Er wurde im März 1982 von Haughey abgelöst, der aber bereits im November 1982 das Amt des Premierministers wieder an FitzGerald abtreten musste. Die Wahlen von 1987 brachten erneut der FF die Mehrheit; Premierminister war zunächst Haughey, bis er 1992 von seinem Parteifreund Albert Reynolds abgelöst wurde. Im Dezember 1994 übernahm erneut die FG unter John Bruton an der Spitze einer Koalition die Regierung, bis nach den Parlamentswahlen im Juni 1997 wieder die FF eine
Bertie Ahern

Koalitionsregierung mit den Progressive Democrats (PD) bildete und mit Bertie Ahern den Premierminister stellte. Im Herbst 1997 nahmen die im Nordirland-Konflikt involvierten Parteien (die britische Regierung, die nordirischen Parteien und die Regierung der Republik Irland) erneut Friedensgespräche auf, die aufgrund des Engagements des britischen Premierministers Tony Blair und seines irischen Amtskollegen Ahern am 10. April 1998 mit dem Abschluss eines Friedensabkommens, des Stormont-Abkommens, endeten. Das Abkommen sah u. a. Autonomierechte für Nordirland und Garantien für die katholische Bevölkerungsminderheit vor sowie die Einrichtung gesamtirischer Institutionen, und es schrieb den Verzicht der Republik Irland auf alle bislang noch aufrechterhaltenen Ansprüche auf Nordirland fest. Dem Abkommen stimmten in einem Referendum 94,5 Prozent der Wähler in der Republik Irland und 71,1 Prozent in Nordirland zu. In der Folge wurde in einer Reihe von Abkommen u. a. die Einrichtung neuer Institutionen und einiger Ausschüsse zur gesamtirischen Zusammenarbeit beschlossen, und es wurden aus der irischen Verfassung die Artikel gestrichen, in denen die Gebietsansprüche der Republik Irland auf Nordirland festgehalten worden waren.

Seit dem 1. Januar 2002 ist der Euro Zahlungsmittel in Irland, nachdem sich das Land aufgrund seiner hervorragenden Wirtschaftsdaten für die Einführung der europäischen Währung qualifiziert hatte. Seit den neunziger Jahren verzeichnete Irland durchgehend hohe Wachstumsraten, einen konstanten Rückgang der Arbeitslosigkeit, einen ständigen Anstieg des Bruttosozialprodukts und einen kontinuierlichen Abbau der Staatsverschuldung. Seine exzellente Wirtschaftslage verdankte Irland nicht zuletzt ausländischen Direktinvestitionen vor allem in den Bereichen Kommunikations- und Softwareindustrie sowie Medizin- und Pharmaindustrie, Forschung und Entwicklung. Bei den Parlamentswahlen im Mai 2002 wurde die aus FF und PD bestehende Regierungskoalition unter Premierminister Ahern bestätigt; sie erreichte 89 (FF: 81, PD: 8) der insgesamt 166 Mandate. Aus den Parlamentswahlen im Mai 2007 ging die FF unter Ahern mit 78 Mandaten erneut als stärkste Partei hervor; als erster Premierminister der Republik Irland hatte Ahern damit drei Wahlen in Folge gewonnen. Zu verdanken hatte er diesen Wahlerfolg in erster Linie der hervorragenden wirtschaftlichen Entwicklung, die unter seiner Regierung kontinuierlich voranschritt, aber auch seinem maßgeblichen Beitrag zur Lösung des Nordirland-Konfliktes. Aherns alte Koalition verfügte nun allerdings nicht mehr über die Mehrheit im Parlament, da die PD nur zwei Mandate errungen hatten; Ahern nahm daher zusätzlich die Grünen (sechs Mandate) in die Koalition auf, womit die Grünen zum ersten Mal in der Geschichte Irlands in der Regierung vertreten waren. Im Mai 2008 wurde Ahern von dem bisherigen Finanzminister und stellvertretenden Ministerpräsidenten Brian Cowen an der Spitze der Regierung abgelöst; die Aufdeckung einer Finanzaffäre hatte ihn zum Rücktritt veranlasst. "Irland," Microsoft® Encarta® Online-Enzyklopädie 2009
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