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Geschichte von Frankreich : Der Hundertjährige Krieg (1337-1453)
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Nach dem Tod des letzten Kapetingers Karl IV. 1328 übernahm dessen Cousin Philipp VI. (1328-1350), ein Enkel Philipps III., aus der kapetingischen Nebenlinie Valois den französischen Thron. Anspruch auf den französischen Thron konnte jedoch auch König Eduard III. von England (1327-1377) erheben; er war über seine Mutter Isabella ein Enkel Philipps IV. und Neffe Karls IV. Der Konflikt zwischen Philipp VI. und Eduard III. spielte sich zunächst auf Nebenschauplätzen ab: England unterstützte die antifranzösische Aufstandsbewegung in Flandern, Frankreich stand Schottland in dessen Kampf gegen England bei. 1337 entzog Philipp VI. Eduard III. dessen französisches Lehen Guyenne und löste damit schließlich den Hundertjährigen Krieg zwischen Frankreich und England aus.

1338 erklärte sich Eduard III. zum König von Frankreich und nahm den Krieg gegen Frankreich auf. 1340 schlug die englische Flotte die französische vor dem flandrischen Sluis vernichtend, 1346 schlugen die Engländer die Franzosen in der Schlacht bei Crécy, und 1347 nahmen sie Calais. 1355 nahm Eduards Sohn Eduard, der Schwarze Prinz, Bordeaux, und 1356 besiegte er die Franzosen in der Schlacht bei Poitiers und nahm König Johann II. (1350-1364) gefangen. 1360 schlossen Frankreich und England den Frieden von Brétigny: Johann wurde gegen ein hohes Lösegeld freigelassen, Eduard verzichtete auf die französische Krone, erhielt dafür die Souveränität über den Südwesten Frankreichs, u. a. die Guyenne.

Seit den ersten Niederlagen, besonders seit der Schlacht bei Poitiers und der Gefangennahme des Königs, wurde Frankreich zunehmend auch von inneren Unruhen erschüttert. Ursachen dieser Unruhen waren die aufgrund der Kriegskosten ständig steigenden Steuern, die von einer raschen Münzverschlechterung begleitet waren; die ebenfalls durch den Krieg mitverursachte Wirtschaftskrise, die durch den Ausbruch der Pest 1348 noch massiv verschärft wurde; die Abnahme der Produktion, vor allem der landwirtschaftlichen, und der rapide Preisanstieg infolge von Pest und Wirtschaftskrise; die ständige Bedrohung der ländlichen Bevölkerung durch plündernde französische und englische Söldnertruppen; sowie die lange Kriegsdauer allgemein.

1358 entluden sich diese Unruhen in einem von Étienne Marcel angeführten Aufstand in Paris und im Bauernaufstand der Jacquerie. Beide Aufstände wurden blutig niedergeschlagen. Parallel zu diesen Unruhen gewannen die Generalstände gegenüber dem Königtum deutlich an Macht: Ohne ihre Zustimmung konnte der König (nur schwer) Steuern erheben, und dementsprechend wurden sie in der ersten Phase des Hundertjährigen Krieges häufig einberufen.

Karl V. (1364-1380) reformierte das Finanz- und Verwaltungssystem sowie das Heerwesen tief greifend und schuf damit die Grundlagen für den neuzeitlichen französischen Zentralstaat. 1369 nahm er den Krieg gegen England wieder auf und konnte in einem langwierigen Abnutzungskrieg den gesamten englischen Besitz in Frankreich mit Ausnahme einiger weniger Stützpunkte, die in englischen Händen blieben, zurückgewinnen.

Unter Karl VI. (1380-1422) wendete sich das Blatt wieder zugunsten Englands: Um die Regentschaft für den seit 1392 aufgrund seiner Geisteskrankheit nicht mehr regierungsfähigen König rivalisierten die Häuser Orléans und Burgund.

Schlacht bei Azincourt
Schlacht bei Azincourt
Nach der Ermordung Herzog Ludwigs von Orléans durch Johann ohne Furcht von Burgund eskalierte die Rivalität zum Bürgerkrieg zwischen den Orléans und den Burgundern und ihren jeweiligen Anhängern. 1415 griff König Heinrich V., der den englischen Anspruch auf die französische Krone erneuerte, auf der Seite Burgunds in den Krieg ein, schlug die Franzosen in der entscheidenden Schlacht bei Azincourt und besetzte den ganzen Norden Frankreichs einschließlich Paris. 1420 anerkannte Karl VI. im Vertrag von Troyes Heinrich V. als Erben und Nachfolger auf dem französischen Thron (enterbte dafür seinen Sohn Karl VII.) und als Herzog der Normandie.
Jungfrau von Orléans

Nach dem Tod Karls VI. 1422 proklamierte sich dessen Sohn Karl VII. (1422-1461) zum König und führte mit Unterstützung der Orléans-Anhänger den Krieg gegen England weiter, zunächst ohne Erfolg. Die neuerliche Wende des Krieges zugunsten Frankreichs markierte 1429 das Auftreten der Jeanne d’Arc und die Aufhebung der englischen Belagerung der Stadt Orléans. Noch im selben Jahr wurde Karl in Reims zum König gekrönt. 1435 schloss Karl Frieden mit Burgund, und 1436 eroberte er Paris zurück.

In der Folgezeit stellte Karl durch umfangreiche Reformen das französische Staatswesen auf eine gesicherte Grundlage. In der Pragmatischen Sanktion von Bourges definierte er 1438 das Verhältnis zwischen französischem Königtum und Kirche bzw. Papsttum und begründete damit die französische Nationalkirche (siehe Gallikanismus). Die Generalstände genehmigten die Einführung einer regelmäßigen, direkten Kopf- und Grundsteuer, die Taille Royale, von der allerdings Adel, Klerus und einige Städte ausgenommen waren, und sie anerkannten die Aushebung von Söldnern als alleiniges Recht des Königs. Auf dieser Basis stellte Karl ein großes stehendes Berufsheer auf, das in Form von so genannten Ordonnanzkompanien über ganz Frankreich verteilt wurde.

Jungfrau von Orléans
Mit seinem neuen Heer eroberte Karl 1450 die Normandie und 1451 die Guyenne zurück; bis 1453 hatte er die Engländer aus ganz Frankreich vertrieben; nur Calais blieb noch bis 1558 in englischem Besitz. "Frankreich" Microsoft® Encarta
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