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Geschichte Ägyptens : Grundlagen der Chronologie
Fotografien Ägypten

Kaum irgendwo sind die Zusammenhänge zwischen Geographie und Geschichte so offensichtlich wie in Ägypten. Leben spendender Nerv und zugleich verkehrstechnisches Rückgrat des Landes ist bis auf den heutigen Tag der Nil. Die jährlichen Nilhochwasser boten der Landwirtschaft im Niltal bis zum 1. Katarakt (etwa beim heutigen Assuan) eine solide Grundlage. Voraussetzungen dafür waren aber die Urbarmachung des Landes durch planmäßige Entwässerung und die präzise Voraussage der Überschwemmungen. Diese Aufgaben ließen sich nur als umfassende Gemeinschaftsleistung unter der Autorität zentraler Instanzen bewältigen. Die organisatorische Herausforderung formte allmählich regionale Herrschaften. Aus ihnen erwuchs, in einem mehrere Jahrhunderte dauernden Prozess, das ägyptische Königtum der Pharaonen. Die Notwendigkeit, das periodische Nilhochwasser vorherzusagen, führte zur Erfindung des Kalenders: Ausgerichtet an der Position des Sirius teilten ägyptische Priester das Jahr in drei Jahreszeiten und in 365 Tage.

Ebenfalls naturgegeben war die geographisch bedingte Isolation. Umgeben von Wüsten im Westen (Libysche Wüste) und Osten (Sinai-Halbinsel), war das Niltal fremden Eroberern nur von Norden (über das Nildelta) und Süden (Nubien) her zugänglich. In der anfangs praktisch totalen Abgeschiedenheit von fremden Kultureinflüssen konnte sich die einzigartige kulturelle Kontinuität ausprägen.

Die Natur gab schließlich auch die Zweiteilung Ägyptens vor: Das flache, von Sandwüsten umgebene Dreieck des Deltas bildet einen gegenüber dem oberen, von Gebirgen umgrenzten Nillauf deutlich abgegrenzten Naturraum eigener Art. Der naturräumlichen Zweiteilung entsprach die ursprüngliche und immer wieder durchbrechende Scheidung des Herrschaftsraums Ägypten in Ober- und Unterägypten.

Rückgrat unseres chronologischen Wissens über das frühe Ägypten ist das Geschichtswerk Aigyptiaka des Manetho, eines Priesters am Tempel von Heliopolis aus frühptolemäischer Zeit (3. Jahrhundert v. Chr.). Seine in griechischer Sprache verfasste Darstellung der ägyptischen Geschichte reichte von den mythischen Anfängen bis zur zweiten Eroberung Ägyptens durch die Perser (342 v. Chr.). Als Quelle lag ihm vermutlich eine Königsliste seines Tempels vor. Seine Einteilung in Altes, Mittleres und Neues Reich samt den dazugehörigen Zwischenzeiten sowie die Dynastienfolge gilt im Grundsatz bis heute.

Manethos Daten sind jedoch nicht im Einzelnen zu übernehmen: Um die ägyptische Tradition noch länger erscheinen zu lassen, hat er die Regierungszeiten vieler Pharaonen des Alten Reiches absichtlich in die Länge gezogen. Außerdem listete Manetho konkurrierende Dynastien in Zeiten der Reichsspaltung in linearer Abfolge auf, so dass der Eindruck scheinbar ungebrochener Kontinuität entsteht. Eine verwickelte Überlieferungsgeschichte komplizierte den an sich schon schwierigen Text zusätzlich.

Neben der relativen Chronologie des Manetho, Einzelinschriften und einigen fragmentarisch erhaltenen Königslisten bieten einige astronomische Daten Fixpunkte einer absoluten Chronologie. Hinzu kommen noch mit der C-14-

Gebirgsstraße im Sinai
Gebirgsstraße im Sinai. Encarta
Methode (siehe Verfahren zur Altersbestimmung) näherungsweise bestimmbare Daten und, für die Spätzeit, Synchronismen mit anderen Zivilisationszentren (Mitanni, Hethiter, Assyrien, Israel/Juda, Babylonien, Persien, Griechenland). Daher sind die folgenden Daten für die Geschichte des pharaonischen Ägypten, besonders für die Frühzeit und das Alte Reich, nur als ungefähre Orientierungspunkte aufzufassen. Die hier verwendete Chronologie beruht auf dem Versuch, die Daten der relativen und absoluten Chronologie möglichst stimmig in Einklang zu bringen. "Ägypten," Microsoft® Encarta
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