Geschichte Tunesiens : Osmanische Herrschaft und Französisches Protektorat
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Fotografien Tunesien |
Von Arabern und Spaniern, die seit 1535 Teile des Binnenlandes und der nordafrikanischen Küste beherrschten, gleichermaßen in Bedrängnis gebracht, verbündeten sich die Korsaren mit den Osmanen, die 1574 die Herrschaft der Hafsiden beendeten. Für den Schutz der Statthalter in den osmanischen Provinzhauptstädten sorgten Elitetruppen der Janitscharen, die im 17. Jahrhundert immer eigenmächtiger wurden und zusammen mit den Korsaren die Herrscher einsetzten, die den Titel Dey trugen. In Tunis wurden die Deys bereits 1640 wieder von den Beys aus der osmanischen Muradiden-Dynastie abgelöst. Unter der nachfolgenden Dynastie der Husseiniden, die 1705 vom Bey von Tunis, Hussein ibn Ali, begründet wurde, genoss Tunesien weitgehend Autonomie. |
Es erlebte eine Blütezeit und stieg unter Hammuda Bey (1782-1814) zur Regionalmacht auf. Wesentlichen Anteil am Wohlstand des Landes hatten die arabischen Morisken, die sich nach ihrer Vertreibung aus Spanien in großer Zahl in Tunesien niederließen. Die Husseiniden stellten bis zur Unabhängigkeit Tunesiens 1956 die Beys. Parallel zur Kolonisierung Algeriens Mitte des 19. Jahrhunderts sicherte sich Frankreich in Absprache mit Großbritannien Tunesien als Interessengebiet. 1881 überquerten französisch-algerische Truppen die Grenze und zwangen den Bey am 12. Mai, Frankreich als Schutzmacht anzuerkennen. Der Bey blieb formal Regent, fungierte jedoch lediglich als Marionette der Franzosen. |
Die französische Herrschaft hatte tief greifende politische und sozioökonomische Veränderungen zur Folge: Die Protektoratsverwaltung sorgte für eine moderne Infrastruktur und lockte europäische Siedler ins Land. Die damit einhergehende Aneignung und Ausbeutung des Bodens und der natürlichen Ressourcen zum Nutzen des französischen Mutterlandes sowie die Einfuhr industrieller Massenwaren zogen Landflucht und Niedergang des traditionellen Handwerks nach sich. Die daraus resultierenden sozialen Probleme und die Ausgrenzung von der politischen Teilhabe führten zu wachsendem Unmut unter den Tunesiern, die sich 1911 erstmals gegen die fremden Machthaber erhoben. |
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tunesische Schule. Bild E. Buchot |
Der aufkeimende Nationalismus fand in der Bewegung der „Jungtunesier“ Ausdruck. Der Wunsch nach Selbstbestimmung manifestierte sich schließlich in der Gründung verschiedener nationalistischer und religiöser politischer Gruppierungen, die sich 1920 zur gemäßigten Partei Destour (Verfassung) vereinigten. Aktiven Widerstand in Form von Streiks, die teilweise blutig niedergeschlagen wurden, leistete zuerst die 1925 gegründete Gewerkschaft Confédération Générale des Travailleurs Tunisiens (CGTT), die das verelendete Stadtproletariat vertrat. 1934 ging aus einer Abspaltung der Destour die wesentlich radikalere Partei Néo-Destour hervor. |
Mitbegründer war Habib Bourguiba. Er suchte für seinen Unabhängigkeitskampf Unterstützung im Ausland und unterhielt gute Kontakte zu sozialistischen, kommunistischen und nationalistischen Organisationen in Frankreich und anderen Teilen des französischen Kolonialreiches; wegen seiner politischen Arbeit wurde er mehrfach verhaftet. "Tunesien," Microsoft® Encarta® Online-Enzyklopädie 2009 http://de.encarta.msn.com © 1997-2009 Microsoft Corporation. Alle Rechte vorbehalten. |
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