Geschichte Österreichs : Die erste Republik österreich
|
Fotografien Österreich |
Aus den Wahlen zur Nationalversammlung am 16. Februar 1919 ging die Sozialdemokratische Partei (SP) als stärkste Kraft hervor, dicht gefolgt von der Christlichsozialen Partei (CP). Renner blieb an der Spitze einer Koalitionsregierung aus SP und CP Regierungschef; erstes Staatsoberhaupt der Republik wurde Karl Seitz in seiner Funktion als Präsident der Nationalversammlung. Vordringliche Aufgabe der ersten gewählten Regierung der Republik war neben dem wirtschaftlichen Wiederaufbau vor allem der Kampf gegen die katastrophale Ernährungslage. Daneben sah sich die Republik mit revolutionären Bewegungen konfrontiert, die u. a. aus der Umwandlung des monarchischen Systems in ein demokratisches resultierten und die nach dem Vorbild der Ungarischen und der Münchener Räterepublik die Errichtung eines Rätesystems zum Ziel hatten. Die revolutionären Bewegungen konnten schließlich unterdrückt werden, u. a. durch eine umfangreiche Arbeits- und Sozialgesetzgebung. Den Habsburgern entzog die Nationalversammlung am 3. April 1919 durch das Habsburgergesetz alle Herrschaftsrechte, ihr Vermögen und verwies sie des Landes. |
Am 10. September 1919 nahm die Nationalversammlung auf Druck der alliierten Siegermächte unter Protest den Frieden von Saint-Germain an. Der Friedensvertrag bestätigte die Auflösung der Österreichisch-Ungarischen Monarchie und die im Wesentlichen bereits vollzogene staatliche Neuordnung der ehemaligen Habsburgerländer. |
Österreich wurde auf das heutige Staatsgebiet beschränkt, musste Südtirol an Italien abgeben, erhielt jedoch nach einer Abstimmung das Burgenland von Ungarn, die deutschsprachigen Randgebiete von Böhmen und Mähren kamen an die Tschechoslowakei. Den Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich untersagte der Frieden von Saint-Germain ebenso wie der Versailler Vertrag ausdrücklich, desgleichen verbot er die Führung des Namens Deutschösterreich. Außerdem wurde Österreich neben dem Deutschen Reich der Alleinschuld am Kriegsausbruch bezichtigt und als Nachfolgestaat der Gesamtmonarchie definiert (obwohl Österreich nur etwa ein Achtel des ehemaligen Gesamtterritoriums umfasste). |
Als verantwortlicher Nachfolgestaat der Gesamtmonarchie wurde die junge Republik zu hohen Reparationsleistungen verpflichtet und damit mit extrem schwierigen wirtschaftlichen und sozialen Herausforderungen konfrontiert. Mit Ungarn schlossen die Alliierten am 4. Juni 1920 den Friedensvertrag von Trianon. |
Am 1. Oktober 1920 wurde die neue Verfassung verabschiedet; am 10. November 1920 trat sie in Kraft. Sie schuf durch die Einführung eines Zweikammersystems, bestehend aus Bundes- und Nationalrat, und durch die Verteilung von Legislative und Exekutive auf Bund und Länder ein zentralistisch-föderalistisches Kompromisssystem. Aus den Neuwahlen zum Nationalrat am 17. Oktober 1920 ging die CP als stärkste Kraft hervor und behauptete diese führende Position auch in den Folgejahren; bis zum Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich 1938 stellte sie, zumeist an der Spitze von Koalitionsregierungen mit kleineren bürgerlichen Parteien, fast ununterbrochen den Bundeskanzler. Die SP ging in die Opposition, besetzte jedoch von 1919 bis 1934 das außerordentlich wichtige |
|
Essenausgabe im Freien. Encarta |
Amt des Wiener Bürgermeisters (u. a. mit Karl Seitz von 1923 bis 1934) und führte hier auf kommunaler Ebene beispielhafte Sozial- und Bildungsreformen durch. |
Angesichts der katastrophalen Lage der Wirtschaft und der galoppierenden Inflation, die die innenpolitischen und sozialen Spannungen drastisch verschärften, war Österreich dringend auf Unterstützung von außen angewiesen. Nach Verhandlungem mit u. a. Frankreich, Großbritannien und Italien erreichte Bundeskanzler Ignaz Seipel im Oktober 1922 in den Genfer Protokollen die Zusage und Garantie für eine Anleihe in Höhe von 650 Millionen Goldkronen, verbunden mit verschiedenen Auflagen, u. a. der Verpflichtung Österreichs zu inneren Reformen und vor allem der Bestätigung des österreichischen Verzichts auf einen Anschluss an Deutschland. Die PS sah in den Auflagen eine Entmündigung Österreichs und lehnte die Genfer Protokolle ab. Mit der Ersetzung der Krone durch den Schilling im Dezember 1924 wurde die österreichische Währung nachhaltig stabilisiert; die Sanierung der Wirtschaft insgesamt machte allerdings nur sehr zögerliche Fortschritte. |
Die innenpolitische Situation blieb auch in der zweiten Hälfte der zwanziger Jahre äußerst instabil; sie war gekennzeichnet von raschen Regierungswechseln und einer zunehmenden politisch-ideologischen Polarisierung zwischen Sozialdemokraten und Bürgerlichen, die durch die sich häufenden Auseinandersetzungen zwischen Wehrverbänden der beiden Seiten – dem sozialdemokratischen Republikanischen Schutzbund und der rechtsradikalen Frontkämpfervereinigung – noch deutlich verschärft wurde. Einen blutigen Höhepunkt in der Konfrontation zwischen rechts und links markierten die Juliunruhen 1927, in deren Folge die austrofaschistischen Heimwehren mehr und mehr Gewicht in der innenpolitischen Auseinandersetzung gewannen. 1930 waren Vertreter der Heimwehren erstmals an der Regierung beteiligt. |
![]() |
Österreich nach dem Frieden von Saint-Germain. Encarta |
Aus den letzten Nationalratswahlen der Ersten Republik im November 1930 ging zwar die SP vor dem Hintergrund der Weltwirtschaftskrise, die auch in Österreich Wirtschaft und Staatshaushalt erfasste und die Arbeitslosenzahlen rapide ansteigen ließ, erstmals seit 1919 wieder als stärkste Kraft hervor, blieb jedoch weiterhin von der Regierung ausgeschlossen – was die innenpolitische Polarisierung erneut verschärfte. "Österreich," Microsoft® Encarta |
![]() Benutzerdefinierte Suche
|