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Geschichte Libanons : Erneuter Krieg
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Hatte sich der Libanon in den anderthalb Jahrzehnten seit dem Ende des Bürgerkrieges politisch, wirtschaftlich und was den Wiederaufbau anbelangte, weitgehend erholt, so erlebte das Land im Sommer 2006 einen erneuten schweren Rückschlag: In Reaktion auf die Entführung zweier israelischer Soldaten durch die Hisbollah leitete Israel am 12. Juli 2006 eine Großoffensive gegen die Hisbollah im Libanon ein. Erklärtes Ziel war es, die Stellungen der Organisation zu vernichten, die seit mehr als zwei Jahrzehnten vom Südlibanon aus immer wieder mit Raketenangriffen den Norden Israels terrorisierte. Mit Luftangriffen, Bodentruppen und von See aus ging Israel massiv gegen die Hisbollah vor, drang dabei nicht nur in den Südlibanon ein und besetzte ihn, sondern stieß auch bis in die Beka-Ebene vor und griff Beirut an, zwei weitere Zentren der Hisbollah.

Neben Stützpunkten der Hisbollah zerstörte Israel auch in großem Umfang Straßen, Brücken und andere Infrastruktur, verhängte zudem eine Luft- und Seeblockade, so dass der Libanon bald völlig abgeschnitten war und Versorgungsgüter kaum mehr in das Land gelangen konnten und auch die Verteilung innerhalb des Landes teilweise unmöglich wurde; Hunderttausende Libanesen wurden in die Flucht getrieben, und Hunderte, vor allem Zivilisten, kamen ums Leben. Die gegenüber der Hisbollah machtlose libanesische Regierung hielt sich zunächst weitgehend im Hintergrund, die Armee wurde nicht eingesetzt; auf internationaler Ebene, vor allem bei den Vereinten Nationen, suchte sie auf eine auch den libanesischen Interessen gerecht werdende Lösung hinzuarbeiten.

Eine Lösung des Konflikts brachte die Resolution 1701 des UN-Sicherheitsrates vom 11. August 2006, der wochenlange Verhandlungen sowohl innerhalb des Sicherheitsrates als auch zwischen Sicherheitsrat und Libanon und Syrien vorausgegangen waren. Die wesentlichen Forderungen der Resolution waren die sofortige Einstellung der Feindseligkeiten, die gemeinsame Stationierung der auf bis zu 15 000 Mann aufgestockten UNIFIL-Truppe und der von der libanesischen Regierung zugesagten 15 000 Soldaten im Südlibanon und, parallel dazu, der Rückzug der israelischen Truppen aus dem Südlibanon, die Kontrolle des gesamten Libanon, also auch des bis dahin von der Hisbollah kontrollierten Südens, durch die libanesische

Regierung, die Schaffung einer von bewaffneten Gruppen und Waffen (ausgenommen UNIFIL und libanesische Truppen) freien Zone zwischen der Grenze zu Israel und dem Litani-Fluss, d. h., die Hisbollah sollte aus diesem Gebiet entfernt werden; außerdem die Entwaffnung aller bewaffneten Gruppen (mit den genannten Ausnahmen) im Libanon, also die Entwaffnung in erster Linie der Hisbollah, sowie die Unterbindung von Waffenlieferungen, soweit sie nicht von der Regierung genehmigt sind, d. h. der regulären Armee zukommen.

Die Resolution wurde von allen beteiligten Parteien, auch der Hisbollah, akzeptiert und auch weitgehend befolgt, zumindest was die Einstellung der Feindseligkeiten anbelangte. Die Aufstockung und Stationierung des UNIFIL-Kontingents ging allerdings nur zögerlich voran, was nicht zuletzt daran lag, dass dessen Mandat und Aufgaben nur vage formuliert waren; fraglich schien auch, ob die eher schlecht ausgebildete und mit veraltetem Material ausgerüstete libanesische Armee, die sich darüber hinaus etwa zur Hälfte aus Schiiten, also eher der Hisbollah als der Regierung Nahestehenden, zusammensetzte, ihrer Aufgabe gerecht werden könne. Des Weiteren war ungeklärt, wie die Entwaffnung der Hisbollah, die im Übrigen bereits in der Resolution 1559 von 2004 gefordert worden war, vonstattengehen und

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gewährleistet werden sollte. Ebenso zögerlich wie die Stationierung von UNIFIL und libanesischen Truppen verlief der israelische Rückzug aus dem Libanon: Die Luft- und Seeblockade hielt Israel zulasten der Zivilbevölkerung bis in den September hinein aufrecht, der Truppenabzug war erst Anfang Oktober 2006 abgeschlossen. Die UNIFIL-Truppe bestand zu diesem Zeitpunkt aus etwa 6 000 Mann, die Überwachung der libanesischen Küste übernahm die deutsche Bundesmarine. Die Bilanz des Krieges waren auf libanesischer Seite knapp 1 200 Tote, zum weitaus größten Teil Zivilisten, etwa eine Million Flüchtlinge sowie Sachschäden in Höhe von mindestens 3,5 Milliarden US-Dollar. Nachdem Israel in den ersten Kriegstagen ein libanesisches Kraftwerk beschossen hatte und in der Folge mehr als 15 000 Tonnen Öl in das Mittelmeer geflossen waren, hatte der Libanon zudem mit einer Ölpest an seiner Küste zu kämpfen, die als die schlimmste Umweltkatastrophe in der Geschichte der Region galt. Libanon," Microsoft® Encarta® Online-Enzyklopädie 2009
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