Fotografien
Geschichte von Israel : Die Briten in Palästina (1918-1948)
Fotografien Israel

Die Volkszählung, die Großbritannien 1922 in Palästina durchführte, nachdem es vom Völkerbund das Mandat über die frühere Provinz des Osmanischen Reiches erhalten hatte, ergab die Zahl von 84 000 jüdischen Einwohnern – 11 Prozent der Bevölkerung des Gebiets. Die Bevölkerungsmehrheit bestand aus arabisch sprechenden Muslimen und Christen.

1918 hatte Großbritannien das Gebiet besetzt. Schon lange vor dem absehbaren Ende des Osmanischen Reiches hatten die alliierten Großmächte Verhandlungen über eine Aufteilung des Nahen Ostens in Einflusszonen aufgenommen. Dabei wurden den Arabern, die auf alliierter Seite gekämpft hatten (u. a. unter Lawrence von Arabien), Gebietsversprechungen gemacht, die Hussein ibn Ali, den Scherifen von Mekka, auf ein großarabisches Reich hoffen ließen; andererseits hatten Frankreich und Großbritannien schon 1916 in einem geheimen Vertrag (siehe Sykes-Picot-Abkommen) eine Aufteilung der Region vereinbart, bei der Palästina unter gemeinsame Verwaltung kommen sollte.

In dieser Konstellation bemühte sich die zionistische Bewegung unter Chaim Weizmann, dem Nachfolger Herzls, ihre Interessen zu wahren, und sah sich dabei im Bund mit Großbritannien, das ein von ihm abhängiges jüdisches Staatswesen nahe Ägypten und dem Suezkanal in Erwägung zog.

Gestützt auf die einflussreichen jüdischen Gemeinschaften in England und den USA gelang es Weizmann, die nach dem damaligen Außenminister benannte Balfour-Deklaration zu erwirken, in der die britische Regierung erklärte: „Die Regierung Seiner Majestät begrüßt die Errichtung eines Staates für das jüdische Volk in Palästina und wird ihr Möglichstes zur Unterstützung dieses Projekts tun. Bei der Erreichung dieses Zieles sollen die zivilen und religiösen Rechte der bereits in Palästina lebenden, nichtjüdischen Gemeinden nicht beeinträchtigt werden …”. Als der Völkerbund 1920 Großbritannien das Mandat über Palästina, Transjordanien und den Irak übertrug, wurde die Verpflichtung auf die Balfour-Deklaration in die Präambel aufgenommen.

Zionistischer Aufbau
Die zionistische Bewegung verstand dies als Ermutigung, wenn nicht als Charta für eine Staatsgründung, und verstärkte ihre Bemühungen um die Einwanderung, die Konsolidierung der jüdischen Gemeinschaft (Jischuw) und den Aufbau ihrer Institutionen. Schon 1920 gründeten sich der Gewerkschaftsbund Histadrut und der Jüdische Nationalfonds Keren Hayesot; 1922 wurde, als Vertretung jüdischer Interessen bei der Mandatsmacht, die Jewish Agency eingerichtet – die Keimzelle des Staates Israel. Der Zufluss von Geldern aus der jüdischen Diaspora erlaubte Landkauf im großen Stil, Industrien wurden aufgebaut, die dem Prinzip der „ausschließlich jüdischen Arbeit” (Avoda Ivrit) verpflichtet waren. Neue Städte, lokale Verwaltungen, eine Abgeordnetenversammlung und ein Nationalrat mit exekutiven Funktionen entstanden, die Hebräische Universität in Jerusalem wurde gegründet, die Entwicklung des Neuhebräischen (Ivrit) gefördert, für Angelegenheiten des Zivilstandes wurde das Rabbinat zuständig.

Ein britischer Zensus von 1931 zählte bereits 175 000 jüdische Bewohner in Palästina, das waren 17 Prozent der Bevölkerung. In den zehn Jahren zwischen 1929 und 1939 kamen insgesamt 250 000 jüdische Einwanderer ins Land. In diesen Zeitraum fällt das Datum 1933: Die Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland und der Beginn der systematischen Judenverfolgung in Deutschland und nachfolgend in großen Teilen Europas (siehe Holocaust). Das zionistische Projekt erhielt hierdurch die ungeahnte neue Dimension und Herausforderung, zunächst den deutschen Juden, schließlich dem gesamten kontinentaleuropäischen Judentum eine Zuflucht zu schaffen. Allein 1935 etwa emigrierten 60 000 Juden nach Palästina. Dabei spielte es auch eine Rolle, dass die großen westlichen Nationen an einer restriktiven Einwanderungspolitik festhielten: Während der Zeit des Nationalsozialismus wanderten z. B. deutlich weniger Juden in die USA aus als nach Palästina.

Der Nahe Osten
Der Nahe Osten
Konflikte
Die Situation im Mandatsgebiet verschärfte sich dadurch in einer Weise, die für die britische Verwaltung große Probleme aufwarf. Zum einen wirkte es nach, dass Großbritannien am Ende des 1. Weltkrieges den arabischen Verbündeten falsche Versprechungen gemacht hatte. Wiederholt kam es zu Unruhen und Aufständen der Araber gegen die Mandatsmacht, die sich auch gegen die Einrichtungen der jüdischen Gemeinschaft richteten – aus arabischer Sicht waren die Juden Begünstigte der Mandatsherrschaft. Der erste Angriff auf jüdische Siedlungen führte zur Gründung der jüdischen Selbstverteidigungsorganisation Haganah. Zum anderen rückte der Jischuw mit der zunehmenden Einwanderung immer stärker in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit.
Von 1936 bis 1939 kämpften Haganah-Verbände gemeinsam mit britischen Truppen einen umfassenden arabischen Aufstand nieder. Ab 1939 versuchte die Mandatsregierung, den arabisch-jüdischen Konflikt durch Begrenzung der jüdischen Zuwanderung zu entschärfen, was sie allerdings, angesichts der Lage der Juden in Europa, in eine Konfrontation mit den jüdischen Organisationen brachte, die zunehmend gewaltsame Formen annahm. Der 2. Weltkrieg bewirkte in Palästina eine Art Waffenstillstand, die Spannungen zwischen Juden und Mandatsmacht blieben aber bestehen. Denn die illegale jüdische Einwanderung hatte schon seit 1939 zugenommen, und ab 1945 verstärkten jüdische Untergrundorganisationen ihre Angriffe gegen die britischen Institutionen, um ein Ende des Mandats und das Recht auf die Gründung des jüdischen Staates zu erzwingen. Zu den spektakulärsten Terrorakten gehörte der Anschlag der Organisation Irgun Zwai Leumi (unter der Leitung des späteren Ministerpräsidenten Menachem Begin) auf das King David Hotel in Jerusalem (den Sitz der Mandatsverwaltung) am 22. Juli 1946, dem 91 Menschen zum Opfer fielen. Der Terror richtete sich aber auch gegen die arabische Bevölkerung: Nachdem es Anfang 1948 zu neuen arabischen Angriffen auf jüdische Einrichtungen gekommen war, tötete die Irgun bei einem Massaker in dem arabischen Dorf Deir Yassin bei Jerusalem am 9. April 1948, kurz vor dem Ende der britischen Mandatszeit, 250 Zivilisten. Die Tat löste ihrerseits eine Reihe von Vergeltungsaktionen aus und hatte den ersten Exodus palästinensischer Araber zur Folge; bis zum Ausbruch des 1. Nahostkrieges Mitte Mai 1948 flohen etwa 300 000 palästinensische Araber in die Nachbarstaaten.
Ende des Mandats und Unabhängigkeit (1948)
Im Februar 1947 erklärte die britische Regierung, sie habe „nicht die Macht, das Land den Arabern oder den Juden zuzusprechen oder es unter ihnen aufzuteilen” und schob das Problem den Vereinten Nationen zu, die in der Generalversammlung vom 29. November 1947 mit einer Stimmenmehrheit von 33 zu 13 die Aufteilung Palästinas in einen jüdischen und einen arabischen Staat beschlossen (UN-Resolution 181). Beide Staatsgebilde sollten in einer Wirtschaftsunion verbleiben, für Jerusalem war ein internationaler Status vorgesehen. Der Teilungsplan wurde von den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion unterstützt. Großbritannien enthielt sich der Stimme. Die jüdischen Repräsentanten akzeptierten den Plan, die arabische Seite sah darin die Besiegelung ihrer seit 1918 währenden Benachteiligung und lehnte ab. Der kommende Konflikt war vorgezeichnet. Großbritannien erklärte, das Mandat nur bis zum 15. Mai 1948 fortführen zu wollen, und begann bereits mit dem Abzug seiner Truppen. Am 14. Mai 1948 proklamierte der Vorsitzende der Jewish Agency, David Ben Gurion, den unabhängigen Staat Israel (Medinat Jisrael). Als erste Nation erkannten noch am selben Tag die USA das neue Staatswesen an. "Israel," Microsoft® Encarta® Online-Enzyklopädie 2009
http://de.encarta.msn.com © 1997-2009 Microsoft Corporation. Alle Rechte vorbehalten.
Benutzerdefinierte Suche