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Bolivien seit 2003
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Am 17. Oktober 2003, als die Protestaktionen bereits vier Wochen angedauert hatten, zog Sánchez de Lozada die Konsequenz und trat zurück. Im Februar 2005 wurde Sánchez de Lozada, der unterdessen in den USA im Exil lebte, wegen der Todesopfer während der Demonstrationen im Herbst 2003 des Völkermordes angeklagt, desgleichen sein früherer Verteidigungsminister und der damalige Innenminister. Eine Reihe weiterer Minister aus Sánchez de Lozadas Kabinett wurde der Komplizenschaft angeklagt.

Als Nachfolger von Sánchez de Lozada wurde unmittelbar nach dessen Rücktritt der bisherige Parlamentspräsident und Vizepräsident, der parteilose Carlos Mesa, vereidigt. Mesa hatte sich schon während der Proteste von Sánchez de Lozada losgesagt. Nach seinem Amtsantritt kündigte Mesa sogleich ein Referendum über das Erdgasgeschäft an. Das Referendum, das im Juli 2004 abgehalten wurde, bestätigte Mesas Vorhaben, die Rolle des Staates bei der Förderung und Vermarktung des Erdgases zu stärken und einen größeren Anteil am Gewinn aus dem Erdgasgeschäft im Land zu halten. In der Folge entbrannte jedoch ein heftiger Streit um die infolge des Referendums neu festzulegende Höhe der Abgaben für Erdgas- und Erdölförderung und Export.

Die von der Regierung vorgeschlagenen Abgaben (maximal 32 Prozent Steuern und 18 Prozent Royaltys, also Fördergebühren) wurden von der von Morales geführten, großteils indianischen Opposition sowie von Gewerkschaften als zu niedrig zurückgewiesen. Die Regierung lehnte höhere Abgaben jedoch mit dem Hinweis auf die daraus folgenden Schäden für die bolivianische Wirtschaft ab. Aufgrund dieses Konflikts, der wieder eine Fülle von Protestaktionen zeitigte, reichte Mesa im März 2005 seinen Rücktritt ein; allerdings lehnten beide Häuser des Parlaments geschlossen Mesas Rücktritt ab. Wenig später beschloss das Parlament Abgaben für die Erdgas- und Erdölförderung in der von der Regierung vorgeschlagenen Höhe, woraufhin es erneut zu Massenprotesten kam.

Die Opposition forderte jetzt nicht nur höhere Abgaben, sondern es wurde zunehmend auch der Ruf nach Verstaatlichung der Bodenschätze laut.

Angesichts der anhaltenden Protestaktionen, die zeitweise Teile des Landes lahm legten und in einen Bürgerkrieg auszuarten drohten, und um blutige Auseinandersetzungen, wie sie seinen Vorgänger Sánchez de Lozada das Amt gekostet hatten, zu vermeiden, bot Mesa im Juni 2005 ein weiteres Mal seinen Rücktritt an. Diesmal nahmen beide Häuser des Parlaments den Rücktritt an. Zum neuen, interimistischen Präsidenten wurde der Vorsitzende des Obersten Gerichts, Eduardo Rodríguez, ernannt. Ihn hatte sowohl Mesa als auch die Opposition favorisiert; die Präsidenten von Abgeordnetenhaus und Senat, die laut Verfassung zunächst für das Präsidentenamt in Frage gekommen wären, hatte die Opposition abgelehnt. Rodríguez nannte als seine vordringliche Aufgabe, Neuwahlen zu organisieren, versprach zudem, die Forderung der Demonstranten nach Verstaatlichung der Ölindustrie zu prüfen.

Die Präsidentschaftswahlen im Dezember 2005 gewann der Sozialist Evo Morales; mit ihm wurde zum ersten Mal in der Geschichte des Landes ein Angehöriger der indigenen Bevölkerung an die Staatsspitze gewählt. Um die anhaltende Auseinandersetzung über die Erdgas- und Erdölförderung im Sinne seiner Wählerschaft zu beenden, kündigte Morales die Verstaatlichung von Erdgas und Erdöl (nicht aber der Unternehmen dieses Sektors) an; zudem sprach er sich für die Legalisierung des Anbaus von Koka aus, das in der Tradition der Indigenen eine wichtige Rolle spielt, machte zugleich aber auch seine strikte Ablehnung der Kokainproduktion deutlich.

Evo Morales
Evo Morales
Gut drei Monate nach seinem Amtsantritt im Januar 2006 setzte Morales sein wichtigstes Wahlkampfversprechen in die Tat um: Am 1. Mai 2006 verstaatlichte er per Dekret alle Erdöl- und Erdgasfelder des Landes und ließ die Förderanlagen von Soldaten besetzen; die in der Öl- und Gasförderung engagierten ausländischen Unternehmen durften ihre Geschäfte – unter erheblichen Gewinneinbußen – nur noch über die staatliche Gesellschaft Yacimientos Petrolíferos Fiscales de Bolivia (YPFB) abwickeln.
Kurz zuvor hatte Morales mit den ebenfalls linksgerichteten Präsidenten von Venezuela und Kuba, Hugo Chávez und Fidel Castro, die Einrichtung einer Freihandelszone zwischen den drei Ländern beschlossen, aus Protest gegen und in Konkurrenz zu Freihandelsabkommen zwischen den USA und südamerikanischen Ländern. Bolivien," Microsoft® Encarta® Online-Enzyklopädie 2009
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