Geschichte Belgiens : Belgien und die Nachkriegszeit
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Fotografien Belgien |
Die ersten Jahre nach dem 2. Weltkrieg waren geprägt von der Auseinandersetzung mit der Rolle der Belgier während der deutschen Besatzung, allen voran mit der Rolle des Königs. Gegen Tausende Belgier wurden Verfahren wegen Kollaboration mit den Deutschen eingeleitet. Nach dem Krieg formierten sich die Katholiken als christlich-demokratische Christelijke Volkspartij (CVP) und Parti Social Chrétien (PSC) neu; sie blieben in der Folgezeit stärkste Kraft, gefolgt von den sozialistischen Parteien Socialistische Partij (SP) undParti Socialiste (PS) und den liberalen Parteien Partij voor Vrijheid en Vooruitgang (PVV) und Parti Réformateur Libéral (PRL) sowie mehreren kleineren Parteien. Obwohl stärkste Kraft, mussten die Christdemokraten die Regierung bis in die sechziger Jahre häufig den Sozialisten überlassen und sich selbst mit der Oppositionsrolle begnügen. Außenpolitisch verabschiedete sich Belgien erneut von seinem neutralen Status. Zunächst vor allem wirtschaftlich, dann aber auch politisch kooperierte Belgien nun eng mit den Nachbarstaaten Niederlande und Luxemburg; zusammen bildeten sie die so genannten Beneluxstaaten. 1945 trat Belgien als Gründungsmitglied den Vereinten Nationen bei, zusammen mit den Niederlanden und Luxemburg 1948 dem Brüsseler Pakt, der späteren Westeuropäischen Union, und 1949 der NATO. |
Nach schweren Regierungskrisen und innenpolitischen Kontroversen um die Wiedereinsetzung Leopolds III. votierten am 12. März 1950 in einer Volksabstimmung 57,6 Prozent der Wähler für eine Rückkehr Leopolds auf den Thron. Am 20. Juli bestätigte das Parlament die öffentliche Meinung und rief Leopold III. auf den Thron zurück. Wenig später sah sich der König allerdings durch einen von Sozialisten und Kommunisten ausgerufenen Generalstreik zum Thronverzicht gezwungen; nach Beratungen mit der Regierung erklärte er sich am 1. August 1950 zum Rücktritt bereit, und am 16. Juli 1951 dankte er zugunsten seines Sohnes Baudouin I. ab. |
Die fünfziger Jahre waren geprägt von den gemeinsamen Bestrebungen der westeuropäischen Staaten, sich zu einer politischen und wirtschaftlichen Union zusammenzuschließen. In diesem Prozess spielte Belgien eine wichtige Rolle: 1951 war Belgien maßgeblich am Zustandekommen der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS, Montanunion) beteiligt; 1952 trat es der Europäischen Verteidigungsgemeinschaft bei, und nachdem diese 1954 am französischen Veto gescheitert war, engagierte sich Paul-Henri Spaak, damals Außenminister, für einen engeren politischen und wirtschaftlichen Zusammenschluss der westeuropäischen Staaten, der 1957 mit der Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG, die heutige Europäische Union) mit Sitz in Brüssel verwirklicht wurde. Ebenfalls 1957 wurde Belgien Mitglied der Europäischen Atomgemeinschaft (EURATOM). |
Im Zuge der allgemeinen Dekolonisation entwickelte die belgische Regierung Pläne für eine sukzessive Entlassung ihrer Kolonie Belgisch-Kongo (des ehemaligen Kongo-Freistaates, heute die Demokratische Republik Kongo) in die Unabhängigkeit. Als aber 1959 schwere Unruhen im Kongo ausbrachen, entließ König Baudouin die Kolonie am 30. Juni 1960 – früher als geplant – in die Unabhängigkeit. Am 1. Juli 1962 erlangte auch das noch immer belgisch verwaltete UN-Treuhandgebiet Ruanda-Urundi als Ruanda und Burundi die Unabhängigkeit. |
Die rigorose Sparpolitik, die sich die Regierung nach dem Wegfall der Kolonie durchzusetzen gezwungen sah, sowie die Krise in der vor allem in Wallonien angesiedelten Schwerindustrie und der gleichzeitige wirtschaftliche Aufschwung Flanderns führte in den sechziger Jahren zu einem Wiederaufleben des Sprachenstreites, der nun weite Bereiche der Innenpolitik und vielfach auch die Regierungsbildung zu dominieren begann: Mehrere der seit 1958 fast ausschließlich CVP-geführten Koalitionen zerbrachen am wallonisch-flämischen Konflikt. Die gesetzliche Fixierung der Sprachgrenze 1962 konnte das Problem nicht lösen; die Aufteilung des Einheitsstaates Belgien in die drei Regionen Flandern, Wallonien und Brüssel 1970 zog Konflikte hinsichtlich der Durchführung der Regionalisierung und in deren Folge häufige Regierungswechsel nach sich. Unter dem Christdemokraten Wilfried Martens, der von 1979 bis 1992 mit einer kurzen Unterbrechung 1981 als Ministerpräsident an der Spitze wechselnder Koalitionen stand, beruhigte sich die Situation vorübergehend. 1980 wurde ein Föderalisierungsgesetz erlassen, das einige Bereiche, vor allem die Kultur, aber z. B. auch die regionale Wirtschafts- und Beschäftigungspolitik, in die alleinige Zuständigkeit der drei Regionen überantwortete. |
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Baudouin I. und Fabiola |
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