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Geschichte Österreichs : Außenpolitik in Österreich 1871-1918
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Nach der Reichsgründung 1871 näherte sich Österreich-Ungarn auf Betreiben seines Außenministers Gyula Graf Andrássy wieder dem Deutschen Reich an und gliederte sich in das Bismarck’sche Bündnissystem ein. 1872 verbündete sich Österreich mit dem Deutschen Reich und Russland im Dreikaiserbund. Durch den russisch-österreichischen Gegensatz auf dem Balkan, auf den Österreich seit seiner Verdrängung aus Deutschland und Italien nun seine außenpolitischen Interessen richtete, wurde dieses Bündnis jedoch schwer erschüttert, besonders seit Russland nach seinem Sieg im Russisch-Türkischen Krieg von 1877/78 mit Macht auf den Balkan drängte. Auf dem Berliner Kongress von 1878 verzichtete Russland auf Bosnien und Herzegowina, die unter österreichische Verwaltung kamen. 1881 wurde das deutsch-österreichisch-russische Bündnis im Dreikaiserbündnis erneuert; 1886 zerbrach das Bündnis mit Russland endgültig. Bereits 1879 hatten das Deutsche Reich und Österreich-Ungarn den Zweibund geschlossen; 1882 wurde der Bund um Italien zum Dreibund erweitert.

Serbien, das auf dem Berliner Kongress als unabhängiger Staat anerkannt worden war, lehnte sich unter Milan I. Obrenović und dessen Nachfolger Alexander I. zunächst eng an Österreich-Ungarn an; unter Peter I. Karaðorðević, der 1903 nach der Ermordung Alexanders den serbischen Thron bestiegen hatte, löste es sich von der Doppelmonarchie und verfolgte im Sinne des Panslawismus, unterstützt von Russland, die Loslösung aller südslawischen Territorien von Österreich-Ungarn.

Verschärft wurde der serbisch-österreichische Gegensatz durch die Annexion Bosniens und Herzegowinas durch Österreich 1908, die zudem eine schwere gesamteuropäische Krise, die so genannte Annexionskrise, auslöste. Ein Krieg zwischen Österreich-Ungarn und Serbien schien unvermeidlich, wurde auch von dem österreichischen Generalstabschef Conrad von Hötzendorf nachdrücklich gefordert, konnte aber durch deutsche Intervention und vor allem durch die Friedenspolitik des Kaisers abgewendet werden. 1909 erkannten das Osmanische Reich, Russland und Serbien die Annexion an. Während der Balkankriege 1912/13 verhielt sich Österreich-Ungarn neutral – wiederum gegen die Forderungen Conrad von Hötzendorfs und wiederum aufgrund des Friedenswillens des Kaisers und aufgrund klarer Warnungen von deutscher Seite.

Die Tatsache allerdings, dass Serbien aus den Balkankriegen deutlich gestärkt hervorgegangen war, vertiefte das Misstrauen Österreich-Ungarns gegenüber Serbien und verschärfte die österreichisch-serbischen Spannungen.
Der 1. Weltkrieg
Am 28. Juni 1914 fielen der Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand und seine Frau in der bosnischen Hauptstadt Sarajevo dem Attentat eines serbischen Nationalisten zum Opfer (siehe Attentat von Sarajevo). Österreich-Ungarn machte Serbien für das Attentat verantwortlich und stellte der serbischen Regierung ein strenges Ultimatum. Trotz einer versöhnlichen Antwort Serbiens und der Schlichtungsversuche der europäischen Mächte erklärte Österreich-Ungarn unter Aufgabe seines Friedenskurses am 28. Juli 1914 Serbien den Krieg. Mit den Kriegserklärungen Deutschlands an Russland und Frankreich im August 1914 weitete sich der Konflikt zum 1. Weltkrieg.

Die militärischen Operationen Österreich-Ungarns konzentrierten sich in den ersten Kriegsjahren auf Russland und Serbien. Im Mai 1915 verließ Italien den Dreibund und trat entgegen seiner Neutralitätserklärung von 1914 auf der Seite der Alliierten in den Krieg ein. Nach anfänglichen Rückschlägen konnte die österreichisch-ungarische Armee Russisch-Polen besetzen und mit deutscher Hilfe große Teile des Balkans erobern. 1916, nach dem Tod Kaiser Franz Josephs, übernahm dessen Großneffe Karl I. die Regierung. Er zeigte sich der Situation – Krieg und innenpolitische, vor allem durch das Unabhängigkeitsstreben der verschiedenen Nationalitäten im Habsburgerreich hervorgerufene Krisen – nicht gewachsen, und die österreichische Regierung sah sich einem unaufhaltsamen Autoritätsverfall konfrontiert. Karls Versuche, an der deutschen Regierung vorbei durch Geheimverhandlungen zu separaten Friedensverträgen mit den Alliierten zu

Attentäters von Sarajevo

Attentäters von Sarajevo

kommen, scheiterten 1917, düpierten die Deutschen und brachten Österreich-Ungarn in noch gößere Abhängigkeit vom Deutschen Reich (siehe Sixtus-Affäre). Zugleich bildeten die Tschechen, Polen und Slawen Exilregierungen, und gegen Ende 1917 zeichnete sich bereits deutlich ab, dass die Vielvölkermonarchie nicht zu retten sein würde.
Franz Ferdinand
Im Frühjahr und Sommer 1918 brachen die österreichischen Fronten zusammen. Lebensmittelknappheit und andere Versorgungsengpässe führten zu Streiks und Demonstrationen und bei Heer und Marine zu Meutereien. Der Zerfall der Monarchie war unausweichlich. Bereits im August 1918 hatten die Alliierten die slawischen Exilregierungen anerkannt, und am 1. Oktober stritten die Slawen dem Reichsrat das Recht auf Entscheidungen in der Nationalitätenfrage ab. Am 16. Oktober unternahm Karl mit dem Völkermanifest einen letzten, vergeblichen Versuch, die Donaumonarchie zu retten. Am 21. Oktober konstituierten sich – unter Berufung auf das Völkermanifest – die Reichsratsabgeordneten der deutschsprachigen Gebiete Zisleithaniens in Wien als Provisorische Nationalversammlung eines unabhängigen deutsch-österreichischen Staates; am 28. Oktober 1918 riefen die Tschechen in Prag eine
Franz Ferdinand
unabhängige Republik aus, und die ungarische Regierung erklärte am 31. Oktober ihre volle Unabhängigkeit. Am 3. November unterzeichnete die Regierung Lammasch Waffenstillstandsverträge mit den Alliierten. Am 11. November 1918 legte Karl I. die Regierung nieder, die Regierung Lammasch trat zurück; am 12. November proklamierte die Provisorische Nationalversammlung die demokratische Republik Deutschösterreich und erklärte ihren Anschluss an das Deutsche Reich. Regierungschef wurde der Sozialdemokrat Karl Renner. "Österreich," Microsoft® Encarta® Online-Enzyklopädie 2009
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