Fotografien
Argentinien heute
Fotografien Argentinien

Mit erheblichen Schulden und einer Inflationsrate von mehr als 900 Prozent fand im Oktober 1983 wieder eine freie Präsidentschaftswahl statt. Als Sieger ging der Kandidat der Radikalpartei, Raúl Alfonsín, hervor. Unter Alfonsín kehrte die Nation zur Demokratie zurück, die Streitkräfte wurden reorganisiert, frühere militärische und politische Führer sollten wegen Verletzung der Menschenrechte angeklagt und vor Gericht gestellt werden. Die Auslandsschulden wurden umstrukturiert, Finanzreformen (einschließlich einer neuen Währung) wurden eingeführt. Ein Vertrag mit Chile zur Schlichtung des Streites bezüglich der drei Inseln im Beagle Kanal wurde gebilligt. 1986 und 1987 erließ Alfonsín unter Druck des Militärs zwei Amnestiegesetze, die 1 000 bereits verurteilte Schergen der Militärregierung unbestraft davonkommen ließen.

Im Mai 1989 wurde der peronistische Kandidat Carlos Saúl Menem zum Präsidenten gewählt. Da sich Argentiniens Wirtschaftslage rapide verschlechterte, führte Menem ein Sparprogramm ein. Anfang der neunziger Jahre drosselte seine Regierung die Inflation, glich den Staatshaushalt aus, verkaufte Staatsunternehmen an private Investoren und schichtete die Staatsschulden auf Handelsbanken um.

1992 wurden sämtliche diplomatischen Beziehungen wiederhergestellt und halfen, die außenpolitischen Auswirkungen des Falklandkrieges zu überwinden. Im Jahr 1993 erzielte Präsident Menem ein Abkommen mit dem früheren Präsidenten Alfonsín zur Ergänzung der Verfassung, um die Wiederwahl des Präsidenten zu ermöglichen sowie die Amtsperioden der Präsidentschaft von sechs auf vier Jahre zu kürzen. Die Beschlüsse wurden von beiden Kammern angenommen. In den Wahlen zur Festlegung, welche Gruppen an der Erstellung der Nachtragsgesetze beteiligt sein würden, erzielte Menems Partei die Mehrheit.

Im Januar 1994 unterzeichnete das Land den Vertrag von Tlatelolco, mit dem in Lateinamerika eine atomwaffenfreie Zone geschaffen wurde.

Der im März 1991 zwischen Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay geschlossene Vertrag von Asunción zur Gründung des gemeinsamen Marktes Mercosur trat im Januar 1995 in Kraft. Im Januar 1996 betonte Argentinien erneut den rechtlichen Anspruch auf die Falkland-Inseln.

Bei Teilneuwahlen zum Parlament verloren die Peronisten im Oktober 1997 ihre absolute Mehrheit. Das sozialliberal orientierte Wahlbündnis Alianza konnte seinen Stimmenanteil stark erhöhen. Nachdem sich ein argentinisches Wahlgericht gegen eine dritte Amtszeit Menems ausgesprochen hatte, verzichtete dieser 1998 auf eine neuerliche Kandidatur. 1998 unterzeichneten Argentinien und Chile in Buenos Aires ein Grenzabkommen, welches den letzten offenen Grenzkonflikt (um eine patagonische Gletscherzone) zwischen den beiden Nationen beilegte. Am 24. Oktober 1999 wurde Fernando de la Rúa zum neuen Staatspräsidenten von Argentinien gewählt. Der Bürgermeister von Buenos Aires, der sich als Kandidat des Wahlbündnisses Alianza um die Nachfolge des nach zwei Amtsperioden aus dem Amt scheidenden Carlos Menem bewarb, setzte sich klar gegen seinen peronistischen Rivalen Eduardo Duhalde durch.

Raúl Alfonsín
Raúl Alfonsín
Bei den gleichzeitig abgehaltenen Wahlen zum Abgeordnetenhaus wurde die Alianza stärkste politische Kraft, verfehlte allerdings die absolute Mehrheit knapp. Im März 2001 billigten die Mitglieder des Abgeordnetenhauses und des Senats einen Regierungsplan, dem zufolge Teile der legislativen Befugnisse des Parlaments auf den Präsidenten übergehen. Die damit verbundene Stärkung der Position des Staatsoberhauptes soll der allmählichen Beendigung der seit mehreren Jahren herrschenden Wirtschaftskrise dienen.
Carlos Saúl Menem

Aus den Teilwahlen zu Senat und Abgeordnetenhaus am 14. Oktober 2001 ging der oppositionelle Partido Justicialista (PJ), die Partei der Peronisten, als stärkste Kraft in beiden Parlamentskammern hervor. Im Senat behauptete der PJ dabei die absolute Mehrheit und errang nun 41 der insgesamt 72 Sitze; im Abgeordnetenhaus verbesserten sich die Peronisten von 99 auf 113 der insgesamt 257 Mandate, während das Parteienbündnis Alianza des Staatspräsidenten Fernando de la Rúa von 127 auf nur noch 90 Mandate abrutschte.

Proteste gegen die sich drastisch verschlechternde Wirtschaftslage weiteten sich Mitte Dezember 2001 landesweit zu schweren Unruhen aus. Angesichts dieser Entwicklung reichte Staatspräsident Fernando de la Rúa am 20. Dezember seinen Rücktritt ein. Am folgenden Tag ernannte das Parlament den peronistischen Senatspräsidenten Federico Ramón Puerta für

Carlos Saúl Menem
48 Stunden zum interimistischen Präsidenten, und am 23. Dezember wählte es den Gouverneur der Provinz San Luis, Adolfo Rodríguez Saá, ebenfalls ein Peronist, zum Übergangspräsidenten. Zugleich setzte es für den 3. März 2002 vorgezogene Präsidentenwahlen an.

Unmittelbar nach seinem Amtsantritt kündigte Rodríguez Saá eine Reihe von Sofortmaßnahmen gegen die Wirtschaftskrise an. Dies löste neue Demonstrationen aus, die sich nun nicht mehr ausschließlich gegen die Regierung Rodríguez Saá, sondern gegen die gesamte, für korrupt gehaltene politische Klasse richteten. Diese neuerlichen Proteste sowie die mangelnde Unterstützung seitens der eigenen, in interne Machtkämpfe verstrickten Partei, bewogen Rodríguez Saá schon am 30. Dezember 2001, eine Woche nach Amtsantritt, wieder zum Rücktritt.

Das Präsidentenamt übernahm nun interimistisch der Präsident des Abgeordnetenhauses, Eduardo Camaño, ehe das Parlament am 1. Januar 2002 den früheren Gouverneur der Provinz Buenos Aires und ehemaligen Präsidentschaftskandidaten der Peronisten, Eduardo Duhalde, zum neuen Präsidenten wählte.

Noch im Januar 2002 verabschiedete das Abgeordnetenhaus ein Notstandsprogramm zur Bekämpfung der Wirtschaftskrise. Zur Unterstützung des beginnenden Stabilisierungsprozesses gewährte der Internationale Währungsfonds einen Aufschub für fällig gewordene Rückzahlungen von Krediten. Die Weltbank machte die Gewährung neuer Kredite von Gesetzesänderungen zur Stärkung der Rechte der

Desaparecidos in Argentinien
Desaparecidos in Argentinien
Gläubiger abhängig, gegen die es im Parlament zunächst massive Widerstände gab. Die wirtschaftliche und soziale Krise verschärfte sich im Mai, als viele Banken Insolvenz anmelden mussten. Einen Höhepunkt erreichte die Finanzkrise im November 2002, als Argentinien vorübergehend die Rückzahlung eines Kredits der Weltbank einstellte.
Fernando de la Rúa

Bei den Präsidentschaftswahlen im April 2003 setzte sich der Peronist Néstor Kirchner u. a. gegen zwei weitere Kandidaten der untereinander zerstrittenen Peronisten durch, darunter der ehemalige Präsident Carlos Menem. Schon kurz nach seinem Amtsantritt am 25. Mai 2003 brachte Kirchner eine Reihe tief greifender Reformen auf den Weg, die die wirtschaftliche Lage spürbar verbesserten; die sozialen Spannungen blieben jedoch bestehen, denn etwa ein Drittel der Bevölkerung war unterbeschäftigt oder überhaupt arbeitslos, und die Schere zwischen Arm und Reich öffnete sich immer weiter. Die Kommunal- und Regionalwahlen im Herbst 2003 bestätigten durch Zugewinne für die Peronisten seinen wirtschaftspolitischen Kurs, ebenso – nach einer Phase des kontinuierlichen Wirtschaftsaufschwungs (das Wirtschaftswachstum betrug pro Jahr jeweils um 9 Prozent) – die Teilwahlen zum Parlament im Oktober 2005.

In einem historischen Schritt hoben im August 2003 nicht zuletzt auf Druck Kirchners beide Kammern des Parlaments die Amnestiegesetze von 1986/87 auf, die die Verantwortlichen und Täter des „schmutzigen Krieges” der Militärjunta in den Jahren 1976 bis 1983 vor Strafverfolgung schützten;

Fernando de la Rúa
im Juni 2005 erklärte der Oberste Gerichtshof Argentiniens die Gesetze endgültig für nichtig, so dass nun Verfahren gegen die Schergen des Regimes wieder aufgenommen bzw. überhaupt eingeleitet werden, d. h. die Menschenrechtsverbrechen der Militärjunta aufgearbeitet werden konnten. In den beiden Folgejahren wurden fast 1 000 Verfahren gegen Handlanger und Verantwortliche des Militärregimes eingeleitet bzw. wieder aufgenommen. 2007 verzichtete Kirchner zugunsten seiner Frau Cristina Fernández de Kirchner auf eine neuerliche Kandidatur für das Präsidentenamt. Frau Kirchner ging bereits aus dem ersten Wahlgang der Präsidentschaftswahlen am 28. Oktober 2007 klar als Siegerin hervor und trat am 10. Dezember 2007 die Nachfolge ihres Mannes an; sie ist die erste gewählte Frau im Präsidentenamt in Argentinien. Argentinien," Microsoft® Encarta® Online-Enzyklopädie 2009
http://de.encarta.msn.com © 1997-2009 Microsoft Corporation. Alle Rechte vorbehalten.
Benutzerdefinierte Suche