Geschichte Ägyptens : Altes Reich (2707-2216)
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Fotografien Ägypten |
Der Übergang von der Frühdynastischen Zeit zum Alten Reich vollzog sich politisch bruchlos. Umso auffälliger ist der Wandel der materiellen Kultur, vom Ziegel zum Stein: Monumentale Steinarchitektur ersetzte die bis dahin verwendeten weniger dauerhaften Baumaterialien; die realistische Steinplastik wurde vorherrschende Ausdrucksform in der bildenden Kunst. In Staat und Gesellschaft brachen sich die Tendenzen Bahn, die ihren Anfang bereits in der Thinitenzeit genommen hatten: Bürokratisierung und Verschriftlichung. Hatte in der Thinitenzeit der König noch praktisch alle Befugnisse selbst wahrgenommen und durch „Königsreisen” überall Präsenz gezeigt, so entsandte die königliche Residenz in Memphis nun Beamte auf das flache Land, zuständig vor allem für die Eintreibung von Abgaben. Der Rationalisierung von Abgabenerhebung und Verwaltung diente die Einteilung des Landes in Gaue, die vom König eingesetzten Provinzgouverneuren (Gauvorstehern) unterstanden. Im System der redistributiven Wirtschaft hingen sie vollständig von der Zentrale in Memphis ab – brach sie zusammen, so drohten schwere Versorgungskrisen. |
Die fortschreitende Differenzierung der königlichen Verwaltung erforderte von den Spezialisten neue Qualifikationen, die eine geregelte Ausbildung der Beamten unabdingbar machte. Grundlegend für das System der Abgabenerhebung, Magazinierung und Versorgung war die Schrift. Beamte („Schreiber”) wurden deshalb in eigens eingerichteten Schreiberschulen auf ihre Aufgaben vorbereitet. Die Schriftkultur erfasste immer weitere gesellschaftliche Bereiche, im Zuge von Verwaltungsakten um Abgabenerhebung und Versorgung auch die Menschen auf dem flachen Land. |
Eine Außenpolitik im eigentlichen Sinn kannte das Alte Reich nicht. Da sich die Herrschaft des Pharao nicht auf ein konkret umrissenes Territorium bezog, gab es für die Ägypter praktisch keine Außenwelt. Überall galt es, dem Prinzip Ma’at zur Durchsetzung zu verhelfen. So waren Tonfigürchen, deren rituelles Zerbrechen eine magische Vernichtung von Feinden bezweckte, gewissermaßen außenpolitische Mittel des Alten Reiches. Militärische Unternehmungen richteten sich vornehmlich auf die Sicherstellung der Rohstoffzufuhr aus Nubien. Durch Beute- und Plünderungszüge suchte man den kostspieligen Zwischenhandel zu umgehen und direkten Zugriff auf die Rohstoffquellen zu erlangen. |
Anders waren die überseeischen Handelskontakte mit der Levante, vor allem dem Hafen Byblos nördlich des heutigen Beirut, organisiert: Die Ägypter bezogen von dort das als Bauholz und für die Grabeinrichtung unentbehrliche Zedernholz von den Bergen des Libanon. Als „Gegenleistung” opferten die Ägypter Figuren aus Alabaster und andere Artefakte im Tempel der „Herrin” von Byblos. Ähnlich hat man sich den ägyptischen Handel mit dem Land Punt am Horn von Afrika vorzustellen. Nur geringe Gefahr drohte Ägypten von den Nomadenstämmen der angrenzenden Wüsten. Feldzüge gegen die „Sandbewohner” dienten vor allem der Sicherung von Karawanenstraßen sowie der Erbeutung von Vieh und Gefangenen. |
Hervorstechendes, bis heute sichtbares Merkmal des Alten Reiches ist die Monumentalisierung der Grabarchitektur, Stein geworden in den Pyramiden. Bereits die erste Steinpyramide, die unter Leitung des Wesirs Imhotep errichtete „Stufenpyramide” des Djoser (2690-2670 v. Chr.) in Sakkara, verrät das Programm, das den steinernen Zeugen pharaonischer Macht zu Grunde lag: Der Übergang vom Ziegel zum Stein als Baumaterial symbolisiert die angestrebte Ewigkeitsgeltung der Grabanlage. Der tote Pharao wurde so in die Sphäre des Göttlichen entrückt. Die Blüte der Steinplastik im Alten Reich seit Snofru (2639-2604 v. Chr.) fügt sich in denselben symbolischen Zusammenhang. Die Pyramide wies mit ihrer Form unmittelbar auf den Himmel, stand also für den gedachten Himmelsaufstieg des toten Pharao. |
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Sphinx in Gise. Encarta |
Nachfolger Djosers in der 3. Dynastie begannen Pyramidenbauten, führten sie aber nicht zu Ende. Ihre Vollendung erreichte die Symbolik der Pyramide in der 4. Dynastie (2639-2504 v. Chr.), deren erster Herrscher, Snofru, gleich zwei Pyramiden errichten ließ, die „Knickpyramide” und die „Rote Pyramide” in Dahschur, südlich von Sakkara; beide weisen bereits die Charakteristika der späteren Pyramiden (stufenförmiger Kern mit Verblendung aus geglättetem Kalkstein) auf. Snofrus Sohn und Nachfolger Cheops (2604-2581 v. Chr.) sowie dessen Nachfolger Chephren (2572-2546 v. Chr.) und Mykerinos (2539-2511 v. Chr.) ließen sich die Großen Pyramiden von Gise bauen, die dem Konzept der Pyramide idealtypische Gestalt gaben. Bereits die gegenüber ihren Vorgängern viel kleinere Pyramide des Mykerinos signalisiert einen allmählichen Bedeutungsverlust des Pyramidenbaus und seiner Symbolik. Die 5. Dynastie (2504-2347 v. Chr.) rückte für längere Zeit den Totentempel statt der Pyramide in den Mittelpunkt und stellte mit eigens errichteten Sonnentempeln die Bedeutung des Sonnengottes heraus. Erst am Ende der 5. Dynastie, unter Asosi (2405-2367 v. Chr.) und Unas (2367-2347 v. Chr.) erlebte der Pyramidenbau eine Renaissance, die sich auch auf die 6. Dynastie (2347-2216 v. Chr.) erstreckte. |
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Das Abrücken vom Pyramidenbau mag, neben entsprechenden religiösen und ideologischen Veränderungen, auch auf ein allgemeines Nachlassen der Wirtschaftskraft des Alten Reiches zurückzuführen sein. Bürokratisierung wie Pyramidenbau verursachten hohe Kosten, die eine Naturalwirtschaft auf Dauer nicht tragen konnte. Aus der zunehmenden Verarmung der ländlichen Bevölkerung resultierte ein Legitimitätsproblem für den Pharao: Seine Regierung stand offensichtlich nicht mehr im Einklang mit der Ma’at. Folge war eine schleichende Erosion königlicher Macht, die nicht zuletzt in der Herausbildung regionaler |
Ägyptische Pyramiden. Encarta |
Hausmachten der Verwaltungsbeamten in den Gauen ihren Ausdruck fand. Ihre Verantwortlichkeit gegenüber der Reichszentrale ließ nach, Ämter wurden erblich, Beamte nicht mehr in der pharaonischen Residenz, sondern in ihrem Gau bestattet. Beamte mutierten zu Patronen, die zentralisierte Bürokratie wich einem Feudalsystem. Symptomatisch für den Bedeutungsverlust der Zentrale in Memphis waren Thronwirren, von denen wir aus der Schlussphase der langen Herrschaft Pepis (Phiops’) II. (2279-2219 v. Chr.) erfahren. Mehr und mehr entglitten den Pharaonen die Zügel. Sie standen völlig im Schatten der mächtigen, jetzt zu Fürsten aufgestiegenen Gauverwaltern. Der schleichende Rückzug des Königtums leitete nahtlos in die Erste Zwischenzeit über. Die Herrscher der 8. Dynastie (2216-2170 v. Chr.), die man schon der Zwischenzeit zurechnen kann, lösten einander in rascher Folge ab, bis ihr letzter Herrscher dem Putsch eines Gaubeamten aus Herakleopolis erlag. "Ägypten," Microsoft® Encarta® Online-Enzyklopädie 2009 http://de.encarta.msn.com © 1997-2009 Microsoft Corporation. Alle Rechte vorbehalten. |
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